Life is white and I am black


Warum macht es eigentlich so viel Spaß zwischendurch mal böse zu sein? Heute auch wieder. Ich hatte einen super Arbeitstag. Die Sonne scheint und der Rückweg geht nur im Schneckentempo voran. Das liegt nicht daran, dass ich im Stau stehe. Der Stau rollt hinter mir. Was mir wiederum völlig wumpe ist.

Ich habe es nicht eilig und es wird bei der Musik auch ordentlich mitgegrölt.. Es läuft gerade „Novocain for the Soul“ von den Eels als ich in eine Seitenstraße abbiege.

Gerade als die Stelle

Life is white
And I am black
Jesus and his lawyer
Are coming back

kommt – und ich richtig in fahrt bin – sehe ich einen Leichenwagen samt Bestatter am Straßenrand. Just bekomme ich einen totalen Lachanfall welcher einfach nicht abebben will. Und auch jetzt, in diesem Moment, muss ich wieder laut bei dem Gedanken an diese Situation kichern.

Ganz schön gemein. Vermutlich lese ich die Tage in der Zeitung, dass sich dort ein Drama abspielte und ich habe dann ein schlechtes Gewissen. Zu meinem Glück lese ich die lokalen Käseblätter nicht.

Anbei noch der Song. Ihr werdet merken das das nicht mal ein „gute Laune Stück“ ist. Trotzdem bekomme ich dabei zumindest immer ein „Wohlfühlkribbeln“.

http://www.dailymotion.com/embed/video/xr793
Eels - Novocaine for the Soul von FabCure

Bleibt die Frage warum es so viel Spaß macht manchmal politisch und menschlich komplett neben der Spur zu sein.

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Schlaraffileaks


In letzter Zeit häufen sich die Meldungen über Kannibalismus. Alleine diese Woche zwei die es in die Onlineausgabe der „Welt“ geschafft haben. Klar, die Springer Mediengruppe will uns weiß machen, dass es sich dabei um „schockierende Einzelfälle“ handelt. Jedoch sollte man auch das Jahr bedenken in dem wir uns befinden.

2012

Da soll ja angeblich die Welt untergehen. Hoffen wir mal das damit das Käseblatt gemeint ist und nicht unsere Zivilisation samt Aufenthaltsort.

Als Zombifilmfan und Paranoiker ziehe ich natürlich ganz andere Schlüsse aus den Meldungen. Das sind die ersten Anzeichen einer Zombieapokalypse!

HIV positive Frau beisst Kollegen die Lippe ab.

Die wahre Geschichte:

Zunächst stand Deloris apathisch auf einem Fleck. In den Händen ein Tablett. Morgens musste sie sich schon aus dem Bett quälen. Es ging ihr dreckig – nur deswegen nicht zur Arbeit gehen? Sie brauchte den Job. Also ging sie.

Doch nun war alles wie weggeblasen. Ersetzt durch ein einziges Gefühl. Hunger! Ein nagender Hunger. Die Welt um sie dumpf und … Halt! Da lag etwas in der Luft. Ein schmackhafter Duft.

Herbert betrat den Raum und sah dort seine dunkelhäutige Kollegin stehen. Sogleich blaffte er sie an, dass sie mal zusehen solle und nicht fürs Herumstehen bezahlt würde. Dabei bemerkte er nicht ihren trüben Blick. Er war nicht der Mann der Untergebenen in die Augen schaute. Das war Zeitverschwendung.

Der aus dem Mund triefende Speichel hingegen verdutze ihn schon. Darum fragte er dann auch mit etwas ruhigerem Ton ob alles Okay sei. Das war es natürlich nicht. In Sekundenbruchteilen ließ die Küchenfee das Tablett fallen und machte sich an das schmackhafte Häppchen was da mit ihr sprach. Leider kam dieses ins Straucheln und fiel zu Boden, woraufhin die untote Küchenhilfe mal einen Bissen probierte.

Eine Zeugin verständigte die Polizei. Als diese eintraf waren Deloris und Herbert mit ganz anderen Dingen beschäftigt. Zum Beispiel dumm durch den Raum wandern. Sie hatten beide noch marginales wissen. Etwa hätten sie noch ihre Unterschriften geben können wenn die Feinmotorik nicht dahin gewesen wäre. Automatismen beherrschten sie also noch. So probierten sie die Türen aus um herauszukommen. Denn hinter diesen vernahmen sie die Lebenszeichen potenzieller Mahlzeiten. Doch das Klinkenputzen brachte keinen Erfolg. Die Zeugin hatte alle Ausgänge verbarrikadiert. Was folgte war weniger schön für die zwei:

Beide wurden nach dem Eintreffen einer „Sondereinheit“ noch an Ort und Stelle durch Kopfschüsse hingerichtet um eine Epidemie zu verhindern.

Zu guter Letzt wurde ein Pseudoprozess nach bester Verschwörungsmentalität – natürlich mit Schauspielern – abgehalten um die Öffentlichkeit einzulullen. Was funktionierte. Springer sei dank.

Nackter Kannibale isst Gesicht seines Opfers.

Aha. „Nackter Kannibale“. Auch hier hat es ein Zombieangriff in die „Welt“ geschafft.

Doch rollen wir auch diesen Fall auf und sehen ihn uns genauer an. Kokainrausch? Gut möglich. Auf Drogen macht man so manchen Schmarren. Aber glauben wir das wirklich? Natürlich nicht.

Der letzte Tag. Eine Rekonstruktion:

Gordon Shumway kommt gerade von einer Geschäftsreise. Er fühlt sich schon seit dem Abflug in München nicht besonders gut. Und darum freut er sich umso mehr auf seinen Lebensgefährten Alex. Seine süßen Augen und zarten Lippen würden ihn nach dem anstrengenden Meeting wieder auf die Beine helfen. Und so war es auch. Sein Freund Alex kümmerte sich die ganze Nacht sehr „aufopferungsvoll“ um Gordon. Nach dem Liebesspiel schliefen beide nackt ein. Nur einer wachte auf. Und zwar Alex. Bei Gordon davon zu sprechen das er aufwachte wäre – hmm – nicht ganz korrekt. Man müsste eher sagen er „erwachte“.

Als Gordon eben jenes tat sah er Alex geradewegs an. Und seine Gefühle waren fast wie vor seiner Wandlung. Die süßen Augen und zarten Lippen seines Freundes weckten wieder Begierde in ihm. Unstillbare Begierde. Gordon – jetzt untot – viel in einer an Wahnsinn grenzender Gier über Alex her, welcher ihn zunächst abwehrte.

Alex sprang auf und rannte – nackt wie er war – durch die geöffnete Verandatür. Gordon ihm auf den Fersen. Nach einigen Metern trat Alex in eine Scherbe. Das machte ihn langsam. Und chancenlos. Wie durch ein Wunder überstand er 100 weitere Meter bis Gordon seine Zähne tief in sein Gesicht stieß. Die Lippen und die Augen waren das beste. Er genoss Alex und spürte gar nicht die Projektile die in seinen Körper eindrangen. Und erst der letzte Schuss, direkt in seinen Kopf, beendete sein treiben.

Zja. Alex hatte es nicht so leicht. Sein Gesicht verloren. Genau wie sein Augenlicht. Doch sein Leid sollte nicht lange dauern. Kurz nachdem er seinen letzten Atemzug tat gebar der Erreger in seinem Blut neues Leben welches einen ebenso starken drang nach menschlicher Nähe verursachte wie bei Gordon. Nur hatte Alex ein Problem. Sein neues Leben würde er als Versuchszombie in einer streng geheimen Forschungseinrichtung in den Bergen Kaliforniens verbringen. Was die Presse meldete variierte natürlich nur geringfügig.

Fußgängerzonenbewohner


Bettler:
Beschimpft mich nicht wenn ich euch kein Geld gebe. Wenn ich euch kein Geld gebe, nachdem ihr mich freundlich angeschnorrt habt, habe ich wirklich kein Geld. Denn einem anständigen und freundlichen Penner habe ich bislang immer noch mindestens nen Groschen oder zumindest meinen Pfand geschenkt. Je nachdem was ich gerade dabei hatte.

An alle Kirchen dieser Welt:
Singt mir keine verfluchten Kirchenlieder vor. Drückt mir keine Flugblätter in die Hand. Droht mir nicht mit Dingen von denen ihr keine Ahnung habt. Zum Beispiel der Hölle.

Eine Bitte an die Punks:
Vielmehr diesen 16 jährigen Wohlstandspunks, welche mit Starbucksbechern, Markenschuhen und Blink 08/15 Shirts durch die Gegend laufen. Sucht euch nen Job. Zum Beispiel Pfand sammeln. Oder fragt eure Mama. Ich hab auch Pfand gesammelt als ich in eurem Alter war. Das tut keinem weh.

Eine Bitte an die Glittermützenträger (alternativ an die Schicksen mit den angeklebten Fingernägeln):
Eure Demut ehrt euch. Immer den Blick gesenkt. Konzentriert auf das wesentliche in eurem Leben. Dem I-Phone und David Guetta. Letzterer in einer Lautstärke, dass man euch beinahe als Missionare bezeichnen will. Schaut trotzdem ab und zu nach vorne. Das senkt die Unfallgefahr.

WWF:
Ich mache es kurz: Fickt euch ins Knie. Aber da ihr euch auch nie kurz halten könnt führe ich es noch etwas weiter aus: Fliegerbrille, Cordjacke und Buttons machen noch keinen Tierfreund. Wenn ihr mal genauer hinschaut steht auf meinen beiden Buttons folgendes: Don’t Panic, Shit Happens. Versteht mich nicht Falsch. Ich bin für die Erhaltung der Umwelt. Tiere interessieren mich allerdings nur soweit, dass sie mich doch bitte in ruhe lassen sollen und gut schmecken müssen. Ich spende lieber für Artgenossen. Das erscheint mir sinnvoller.

 Greenpeace:
Und wenn ihr 100 geile Ischen in die Stadt stellt. Euch spende ich auch nichts. Ich weiß nicht mal warum. Ich mag euch einfach nicht. Lasst mich also auch in Ruhe.

An alle Freunde und Bekannte die ich übersehe:
Ich bin kein arrogantes Arschloch (auch wenn dieser Text etwas anderes aussagt). Ich sehe euch einfach nur nicht. Weil ich damit beschäftigt bin Bittstellern aus dem Weg zu gehen. Manchmal träume ich auch oder bin in Gedanken versunken. Sprecht mich an oder knufft mir nett an die Schulter damit ich auf euch aufmerksam werde.

Musikanten:
Spielt öfter mal das Thema vom Paten.

Panflötenspieler:
Geht sterben.

Danke.

Und: Action!


In den 90ern und frühen 00ern kamen viele übertrieben bunte „Actionknaller“. Aber ein ganz besonderes Leckerli ist ja nach wie vor das 2000er Machwerk „Mission: Impossible 2“. Von dem damals hoch gefeierten John Woo. Dieser Film passt perfekt in seine Zeit. Eine Zeit, als Lora Croft den Verstand des Zuschauers beleidigte und drei Engel für Charlie als fleischgewordene und äußerst brutale PowerPuffGirlsMafia auftraten. Nichts gegen die Power Puff Girls. Aber gegen diesen Scheiß.

Diese komplett überzogene Action ist selbst für mich zu viel des Guten. Und ich bekenne folgendes:

Ich schaue mir gerne Filme an in denen Dinge explodieren, smarte Typen böse smarte Typen abknallen und coole Verfolgungsjagden ein Highlight sind.

Nur hat man damals alles einen Ticken (oder auch drei bis vier) zu bunt, zu schnell, zu choreographiert gemacht. Das gibt es heute in Form von „Transformers“ und „die schnellen und furiosen (Typen aus LA und vom FBI, die extrem gut Autofahren können)“ auch noch. Aber selbst diese beiden Beispiele schaffen es durchaus zu unterhalten, wenn man die Filme nicht zu ernst nimmt. Denn als Zuschauer fühlt man sich durchaus ernst genommen. Es ist zwar alles Quatsch was dort gezeigt wird. Aber die meisten Szenen sind relativ schlüssig. Es explodieren auch immer noch Autos. Aber nicht weil der Hauptprotagonist zufällig in die Richtung des Autos guckt. Ich krame einfach noch mal M:i-2 hervor um zu verdeutlichen was ich meine:

Herr Woo hat eine Vorliebe für Zeitlupensequenzen. Was ziemlich gemein ist. Während der Bösewicht in normaler Geschwindigkeit rennen darf, muss Hunt gaaaanz langsam und gemächlich den Killervirus vernichten. Macht sich zwischendurch noch Gedanken welche Tapete besser ins Wohnzimmer passt und wundert sich nach 10 Minuten Träumerei, dass auf mal der Bösewicht neben ihm steht und seine Schnalle erschießen will. Mit der natürlich beide Intimkontakte pflegen.

So geht das Szene um Szene. Dann flattern da noch überall Tauben durchs Bild, welche den künstlerischen Ansatz unterstreichen sollen. Natürlich flattern die Viecher ebenfalls in Zeitlupe.

Die total langweiligen Verfolgungsjagden sind ebenfalls eine Zumutung. Langweilig? Das passiert doch so einiges. Genau das ist das Problem. John Woo verwechselt Musical mit Actionfilm. Er lässt die Moppeds regelrecht miteinander Tanzen. Und es ist nicht ersichtlich warum das geschieht. Es geschieht einfach. Mal fliegt das rote über das schwarze. In der nächsten Einstellung macht das schwarze einen Burnout und das rote fährt rückwärts eine Mauer hoch. Dabei ist Woo sehr visionär. Denn die Mofas zeigen Ansätze von Transformertechnologie. Fahren sie über Sand haben sie grobstollige Reifen, auf der Straße Straßenbereifung und auf Holz Regenreifen.

Herr Who macht sich auch gar nicht die Mühe diese offensichtlichen Patzer zu verbergen. Nein. Zum Einsatz kommt wieder seine Zeitlupe.

Und in dieser Zeitlupe gibt es noch eine Extraeinstellung auf die Reifen, in welcher selbst der letzte Depp erkennt dass da was nicht stimmt.

Wer über modernes Actionkino meckert soll sich einfach mal 10 Jahre in die Vergangenheit bewegen und das Blockbusterkino von damals einschalten. Ein gutes Beispiel ist der vierte Abklatsch von Mission: Unmöglich. Der ist nämlich gar nicht soooo schlecht. Besonders im Vergleich zu den Vorgängern.

Fazit:

Ich kann an sich gar nicht in Worte fassen wie sehr ich diese Nachtgeburten der 90er verachte. Filme die im Vergleich selbst Octoshark vs. Monstercrok zum ARTEtauglichen Autorenfilm hochstilisieren können.

PS: Wie sehr M:i-2 90er ist sieht man im Abspann: Der ist in stilvollem Comic Sans gehalten und mit Metallica unterlegt.

 

Das Schlaraffenland besucht die Kirche


Rückblende: Weihnachten 2010

Ich sitze in der Kirche. Meinem Opa zuliebe. Er ist an den Rollstuhl gefesselt und wünscht sich das ich mit komme. Also gehöre ich zu diesem Pack, welches Jahr für Jahr die Kirche verstopft. Nicht aus dem Glauben an Gott heraus, sondern weil man Weihnachten in die Kirche geht. Das ist nun mal so. Doch dieses Jahr schwöre ich mir, dass es das letzte Mal gewesen sein wird. Die Messe ist wiedereinmal von Anglizismen verseucht. Ständig spricht der an Flanders erinnernde Pastor von „Just for Fun“ und benützt hippe Worte wie „Hip“. Ich schäme mich. Ich habe nichts gegen eine lockere Messe. Aber etwas Würde sollte das ganze schon haben. Nicht weil ich an Gott glaube, sondern Würde für mich zur Show gehört.

Und dann geht es richtig los. „Ich habe habe da was auf Youtube gesehen, was mein Herz berührte.“, verkündete der Pastor. Meine Gesichtszüge entgleisen. Er wird doch nicht? Nein, er wird nicht… In der Kirche hat Youtube nichts verloren. Es ist schon erbärmlich genug, dass Youtube jede Party und jede Konversa… Er spricht weiter: „Das möchte ich ihnen gerne zeigen! Film ab.“ Gezeigt wird ein kitschiger amerikanischer Kirchenfilm in dem es ähnlich zugeht wie in „Jede Zelle meines Körpers ist glücklich“. Kaum auszuhalten. Ich schäme mich Fremd wie zu kaum einem anderen Zeitpunkt in meinem Leben. Hinter mir ruft jemand (und ich bin es echt nicht) „Fernsehgucken kann ich auch zuhause.“ Doch der Pastor zieht es eisern durch… Danach hab ich nicht mehr so recht aufgepasst. Es war einfach peinlich und ich überlegte Katholisch zu werden. Eine Konfession auf dem Papier brauche ich ja für meinen Job…

 Die Gegenwart: Weihnachten 2011

 „Komm schon.“ sagt mein Bruder. „Mir zuliebe.“ „Nein. Auf keinen Fall. Ich möchte mir diesen Kasper nicht antun.“ „Dann für Opa.“ Da ist er wieder. Der Opa. Der alte Mann hat nun wahrlich nicht viel zu lachen in seinem Leben. Kann ich ihm das zumuten nicht mit in die Kirche zu kommen? Ich möchte Menschen die mir lieb sind ungern enttäuschen. Und erst recht nicht den Menschen, welche zusätzlich noch einige Steine zu schleppen haben. Zähneknirschend willige ich also ein.

Da sitzen wir nun erneut in der Kirche. 30 Minuten zu früh, wie immer. Wir haben also einen guten Platz erwischt. Ich stelle erfreut fest, dass dieses mal im Rettungsgang und im Hauptgang keine Stühle wie 2009 aufgebaut sind. Damals schon hielt ich das für eine Todesfalle. Das sage ich auch zu meiner Mutter, welche neben mir sitzt. Wie jedes Jahr.

16:50 – Die Kirche ist rappelvoll. Nun beginnt ein Helfer doch noch Stühle aufzustellen. Und zwar nicht einreihig. Sondern ZWEIREIHIG! So das gar kein durchkommen mehr ist. In meinem von Paranoia durchtränkten Hirn spielen sich die übelsten Katastrophenszenarios ab. Ich hasse die Masse. Ich hasse es eingesperrt zu sein in einem Raum voller Menschen. Selbst unter freiem Himmel bekomme ich schon zuviel, wenn ich meinetwegen auf einem Konzert bin. (Weshalb ich auch nicht auf Konzerte gehe.) Während ich total verkrampft da sitze beginnt der Gottesdienst. „Wir freuen uns, dass auch dieses Jahr so viele Menschen in unsere Kirche gefunden haben.“ Ich brodle. Meine Fäuste verkrampfen sich. „Wir mussten, wie sie sehen, sogar wieder Stühle aufstellen.“

„HOFFENTLICH FÄNGT ES NICHT AN ZU BRENNEN! (mit dem Unterton „Sie Idiot“)“, ruft jemand aus dem Publikum. „Wie bitte?“, fragt der Pastor. Da merke ich, das ich der Störer war. Also noch etwas lauter:

„Ich sagte, H O F F E N T L I C H   F Ä G T   E S    N I C H T    A N  Z U     

B R E N N E N.“

Ein Pause. Ein zustimmendes Gemurmel geht durch die „Gemeinde“. Dann der Pastor „Aber Gott ist doch mit uns.“ Ein „Sie naives, verantwortungsloses Arschloch haben wohl noch nie was von Massenpanik, Loveparade und anderen tollen Dingen gehört.“ liegt mir auf der Zunge. Ich sage aber nichts. Dann geht’s weiter.

Nach zwanzig Minuten der absoluten Ausweglosigkeit kommt dann der zweite Knüller des Abends. „Ich möchte ihnen ein Lied mitgeben. Ein Stern der deinen Namen Tragt von Dj. Ötzi.“ Bitte was?!?!?! Ich bin voll dabei. Ich fragte mich nämlich schon wie er die Pein vom letzten mal toppen wollte. „Technik. Spielen sie das Lied doch bitte mal an!“ Die Technik versagt. Ich mache drei Kreuze. Erlöst bin ich trotzdem nicht. Nachdem er das Lied auseinanderklabüstert und Moralisch durchaus nachvollziehbare Schlüsse zieht (das muss ich ihm wirklich lassen!) beließ er es nicht dabei und gab dem Organisten den Auftrag das Lied zu spielen. Der Text wird an die Leinwand projiziert. Und die Gemeinde singt leiernd mit. Zumindest einige.

Und ich sitze im wahrsten sinne des Wortes zwischen den Stühlen: Komme ich nächstes Jahr wieder mit oder bleibe ich zuhause? Ich meine, wenn da etwas passiert und meine Familie getötet wird – und das an Heiligabend – dann könnte ich mir das nicht verzeihen. Aber will ich mir diesen RTL2 Pastor allen ernstes nochmal antun und einen Hirnschlag riskieren? Ich weiß es nicht. Vermutlich siegt ohnehin mein schlechtes Gewissen.

Frohe Weihnachten euch allen.

Das ganze Leben ist ein Spiel


Kinder sind ja auch nur Menschen. Allerdings kann man sie leichter überzeugen etwas zu tun. Zum Beispiel aufräumen. Ich habe da mehrere Strategien die Kinder zum Aufräumen zu bewegen.

Erstens: Die Pflicht. Das ist genaugenommen keine Strategie, sondern eine Regel: Spielt ein Kind in einem Bereich muss es diesen beim Verlassen auch wieder aufräumen. Total logisch und eingeschliffen. Also machen das auch alle Kinder. Manchmal muss man sie mit etwas Nachdruck daran erinnern. Aber in der Regel klappt es.
Zweitens: Ich selbst habe etwas aufzuräumen aber nur wenig Zeit. Wie bekomme ich die Kinder dazu mitzuhelfen? Klar. Einfach fragen und auf Glück hoffen. Klappt manchmal.
Drittens: Aufgaben von Erwachsenen übertragen. Das gibt dem Kind das Gefühl etwas großes und besonderes zu machen. Was es für das Kind ja auch ist. Klappt bedingt. Manche legen keinen Wert darauf oder durchschauen das System.
Viertens: Zeig mir mal wie Stark/Geschickt/etc. du bist. Klappt auch in vielen Fällen. Gleiche Einschränkung wie oben.
Fünftens: Die „Ich-Botschaft“. „Kannst du mir Helfen?“ „Nöö. Keine Lust.“ „Ach komm schon. ICH helfe dir doch auch immer. Außerdem schaffe ICH das nicht ohne DEINE Hilfe.“ (In diesem Beispiel sind Option 4 und 5 kombiniert.)
Sechstens. Das Aufräumen als Spiel deklarieren. Wer ist schneller fertig?

Hört sich erstmal etwas schäbig an die Kinder so zu ködern. Ist es aber nicht. Denn so lernen sie auch Verantwortung für Dinge zu übernehmen mit denen sie Ursprünglich nichts zutun haben. Außerdem Merken sie sich selbst diese Kniffe. Natürlich unbewusst. Was deren Soziale Fähigkeiten verbessert. Man bringt ihnen Vertrauen entgegen. Wenn man dem Kind erlaubt eine Erwachsenen Aufgabe zu machen stärkt es das Selbstbewusstsein. Und so weiter und so weiter. Ich setze diese Mittel also in den seltensten Fällen aus Faulheit ein, sondern weil ich mir was dabei denke, oder Tatsächlich die Zeit knapp ist. Wenn man das als Begründung anbringt kann das für viele auch ein plausibles Argument sein. Diese Kniffe sind natürlich auch auf andere Bereiche als Aufräumen zu übertragen.

Zja. Und dann ist da der private Schlaraffenlandbewohner. Zuhause ist alles anders. Während man auf der Arbeit, ohne darüber nachzudenken, Speisen zubereitet, Spült, den Müll wegbringt und Betten bezieht (jeweils für 20 Personen + X) ist man zuhause etwas fauler. Ich hab bemerkt, dass ich bei mir auch eine der Strategien von oben anwende.

Ich gestalte den Hausputz wie ein Computerspiel.

Level 1: Fegen
Level 2: Staubsaugen
Level 3: Staubwischen
Level 4 (Der Supergegner auf der Mitte des Spiels): Socken aus dem Bettkasten friemeln.
Level 5: Müll rausbringen.
Level 6: Oberflächen wie Schreibtisch oder Wohnzimmertischchen putzen
Level 8 (Der Endboss): Das KLO und die DUSCHE.

Beim Spülen geht das genauso. Vom Wasserglas zur Käsespätzleauflaufform.

Allerdings funktioniert das nur in eine Richtung. Wer will schon am PC den tollen Hausputzsimulator spielen? Ich nicht…
(Das Leben ist ein scheiß Spiel. Hat aber ne geile Grafik)

Best of „MSO“ Teil 2 – Heute: Bei den Unaussprechlichen


Und nun der 2. Teil aus der allseits beliebten Recyclingserie  „Best of MSO“. Wie immer gibt es einen meiner Lieblingsartikel aus meinem alten Blog. Und dieser Artikel ist, mit seinen über zwei Jahren auf dem Buckel, noch so Aktuell wie damals.

14. Mai 2009
Neulich mal wieder unterwegs. Ging so in der Stadt umher und hab nen Kumpel getroffen.Wie gehts?Muss ja…Bock auf Kaffee?Nö. Ähhm, ja doch. Hab nur keine Kohle.
Er läd mich auf nen Kaffee ein. Ich denk wir gehen zum einzig wahren Kaffeemann in der Innenstadt. Cooler laden. Nennt sich Temple Bar. Die Richtung stimmt. Doch Achtung! Diverse Extrablätter liegen auf dem Weg. Und natürlich die Unaussprechlichen. Wir gehen nur wenige Meter.Dann biegen wir nach rechts ab. Ich ahne was nun geschehen wird! Das Übel. Von SATAN höchst persönlich auf die Erde geschickt um kleinen Lokalen den Gar auszumachen. Uns gleichzuschalten. Einlullend mit seichter Musik, pseudogemütlicher Einrichtung. Sie will gemütlich – ein wenig schrullig wirken. Durch verschiedenfarbige Möbel die nicht zusammenpassen und dennoch in Harmonie zueinander stehen. Bedienstete die einem duzend nach dem Vornamen fragen – so als ob sie ein Date wollten und nicht Kaffee verkaufen. Und trotzdem derart unpersönlich, dass diese Lakaien einen nicht mal am Tisch bedienen. Und dann die Gäste.

Diese Gäste. Ich halt das nicht aus. Diese Gäste. Schwangere im Babyplausch.

Anette, wie soll ich das Zimmer für Justin-Hermann streichen? Eher weiß mit einem winzigen Schuss Champagner oder doch lieber ein frisches eierschalenbeige?
Daneben sitzt dann der pseudointellektuelle. Der mit Bluejeans, Strickpulli und beigem Cordsacko mit Lederflicken auf den Ellenbogen. Genüsslich rührt er in seinem Kaffee. Neben ihm die gesammelten Werke von Brecht. Aufgeschlagen, jedoch mit dem Buchrücken nach oben. Natürlich liest er nicht darin. Er will nur allen zeigen was er auf dem Kasten hat.

Oh mein Gott. Nein er will es tatsächlich. Zielstrebig geht er auf den Laden zu! Warum? Warum nur?

Willst du da etwa rein? Es ist doch landesweit bekannt was ich von dem Laden halte! Wenn nicht Europaweit.

– Stell dich mal nicht so an. – Anstellen? (er hat einen Nerv getroffen) Das ist es ja! Die bedienen einen nicht mal am Tisch! Und diese Einrichtung!Naja. (er lenkt ein) Wir können uns ja nach draußen setzen, wenn es dir da drin nicht gefällt. – Draußen? Das ist ja noch besser. Dann sieht ja jeder das ich in dem Laden bin! Was sollen die Leute denn denken? – Das du bei S********s Kaffee trinkst? Genau! Das geht doch nicht. Da widerspreche ich mir doch total. – (Er überlegt) Da ist was dran. – Ich könnte mich natürlich auch nach draußen setzen und vorher Fanartikel kaufen. Und einen dieser Kaffees trinken die nicht Kaffee heißen dürfen, weils sonst nicht zu diesen Gästen von Welt passen würde! (Ich deute auf ein Paar, welches gerade durch die Eingangstür ins Freie tritt. Er lässig im rosa Polohemd, sie mit schickem Tattoo in Form eines Einhorns welches in höhe ihrer linken Brust unter dem Ed-Hardy-Top hervorlugt. Ein kurzer Würgreiz überkommt mich.) – Jetzt ist aber gut! Ich geb den Kaffee aus, dann suche ich das Lokal aus. – Und was ist aus dem guten alten Tempel geworden? – (lapidar) Zu teuer. – Zu Teuer? – Ja zu teuer. – (meine Kinnlade fällt nach unten als ich in meinen Erinnerungen krame und meine letzten Blicke auf die Preise im Tempel und im S******s vergleiche. Ich hebe den Zeigefinger und setze zu einem „Ähhmm, aber…“ an. Er kommt mir zuvor.) – Also, komm mit. Such dir was aus, egal was. Ich zahl die Zeche. – Das könnte dir so passen. Am Ende machste noch nen Beweisfoto mit dem Handy und zeigst es rum! Wenn du unbedingt hier was trinken willst, dann mach das! Ist ein freies Land. Aber lass mich da raus. Ich setze mich jetzt hier draußen hin, (ich deute auf einen der Tische) und rauche Kette. (dabei gestikuliere ich wild mit meinem ekelhaften Billigtabak) Eventuell schreckt das ja wenigstens den einen oder anderen Schöngeist ab. – Jetzt willst du doch draußen sitzen? – Ja, damit jeder sehen kann wie scheiße ich es hier finde. – Du bist Kindisch. – Konsequent. – Was auch immer. Ich hol mir jetzt nen Kaffee. Du willst wirklich nichts? – Nein. (das danke spar ich mir, ich bin zu aufgebracht).

Die Bank gewinnt immer!


Es gibt Trottel. Es gibt Idioten. Es gibt Dummbatze und Taugenichtse. Und es gibt MICH! Ich lach mich hier gerade schlapp. Ganz im Ernst. Ich amüsiere mich köstlich über mich. Folgendes ist heute geschehen:

Ich will mir ein Audowagen in Kamen angucken. Vorher mach ich noch einen Schlenker über Hamm um dort eine Freundin abzusetzen. In Kamen stelle ich fest, dass die Benzinvorräte zuneige gehen. Ich gucke mir aber erstmal den Wagen an. Ein echtes Kackfass. Sowas von scheiße. Ich glaub den nehm ich. Begutachtung abgeschlossen. Ab zur Tanke.

Gluck, gluck, gluck. Wie viel in son Omega reingeht. Unglaublich. Da der Tank angerostet ist, befülle ich ihn nur halb. Ab zur Kasse. Karte eingesteckt. Pin eingegeben. MÖP! Tut nicht. Hmm. Nochmal. MÖÖÖP! TUT NICHT! ARGL! Was ist denn da los?

Der Kassiererin den Perso dagelassen und auf zur nächsten Bank. Betrag auswählen, Pin eingeben. Warten das die Kohle kommt. Sie kommt natürlich nicht. Dafür teilt der Automaahaat mir miiihiiiit.

dass meine Karte aus Sicherheitsgründen einbehalten wird. Was zum Teufel…?

Naja. Zurück zur Tanke. Fakten präsentiert. Mit dem Chef telefoniert. Galgenfrist bis Freitag bekommen die Rechnung zu überweisen. Sehr kulant muss ich dazu sagen. Sie wollten allerdings, dass ich mein Handy als Pfand dalasse. Zja. Wer mich kennt weiß, dass sowas bei mir eher Stiefmütterlich behandelt wird. Es ist ein altes prepaid Handy – und es war aus. Akku leer. Die Frau guckt mich stirnrunzelnd an. „Was soll ich denn damit?“ „Weiß nicht. Sie wollten doch einen Pfand.“ „Das Ding können sie behalten. Wir lassen einfach den Perso hier.“ „Wenn sie meinen.“

Wir sind in der Gegenwart angekommen. Ich komme in die Wohnung. Ich überlege noch so, dass ich mir sicher bin das ich Geld auf dem Konto habe. Denn ich habe, bevor ich losgefahren bin, ja noch Onlinebanking…

FUCK! Ich hab Onlinebanking gemacht! Scheiße! Klar. Und ich habe vergessen mich auszuloggen! Darum wurde die Karte einbehalten. Weil gleichzeitig zwei Leute theoretisch auf mein Konto zugreifen wollten. Schnell an den Rechner (er war noch an, Firefox aufgeschlagen). Ja, tatsächlich. Ich hab vergessen mich auszuloggen. Und darum hab ich jetzt weder Geldkarte noch Perso. Ergo: Kein Geld. Egal wieviel ich auf dem Konto habe.

Es gibt Trottel. Es gibt Idioten. Es gibt Dummbatze und Taugenichtse. Und es gibt MICH! Zum Glück kann ich über mich lachen. 🙂

Den Kannibalen ausgeliefert


Langsam beginne ich ernsthaft zu verstehen, warum Amerikaner kein großes Interesse an Europäischen Produktionen haben. Ihnen ist das alles einfach zu fremd. Leute die komisch reden, in komischen kleinen Autos durch die Gegend fahren, Landschaften, welche sie nicht kennen, merkwürdige Städte mit kleinen Gassen , ohne Holzhäuser die beim ersten Sommergewitter zusammenklappen.. Und die Kultur bei uns ist auch anders. Es geht mir jetzt nicht um eine Wertung welche Kultur „besser“ist. Sie ist schlicht anders.

Naja. Und da hab ich diese Woche zwei Filme gesehen. Das eine war eine Folge einer Britischen Mysteryserie und das andere ein Horrorfilm aus US Produktion. In beiden Streifen wurden junge Menschen von hinterwäldlerischen Kannibalen getötet und gefressen. Soweit so gut. Kommen wir zum Kern der Sache:

Zuerst habe ich zufällig den amerkanischen Film gesehen. WOW. Ein Haufen Highschoolschüler auf dem Weg zum Campen wird abgeschlachtet. Grusel, Grusel. Ich fand den Film einfach nur schlecht und dröge. Und ich konnte mit den Charakteren nur mäßig mitfiebern. Das lag nicht daran, dass die Drehbuchschreiber sich keine Mühe gaben die Leute brutal zu Killen oder die Charaktere zu Farblos waren. Es gab sie alle.Vom Nerd bis zum Localhero waren alle dabei. Da sollte doch einer herum huschen den man mag (in meinem Fall meistens der Nerd). Aber es berührte mich nicht.

Die britische Produktion, erste Szene: Ein, ich wiederhole, EIN Mädchen sitzt im Auto und hört Mando Diao, ist in the middle of nowhere unterwegs, gerät in eine Falle und Stirbt. Dabei stellt sie sich zwar ängstlich, aber nicht dämlich an. Höchstens unbedarft. Das was man von einer 18Jährigen in so einer Situation erwarten würde. Selbst ich hätte ähnlich gehandelt. Und ich bin bedeutend Älter (und ein Mann). Im Laufe der Serienfolge wurden noch einige Menschen getötet. Aber viele überlebten. Außerdem war das ganze ne Ecke cleverer eingefädelt. Die Briten waren einfach nicht doof. Sie waren nur nicht Paranoid genug um nicht in die Fallen zu tapsen. Es gab zwar auch die typische „Frau rennt durch den Wald und schreit“ Szene. Aber selbst da war die Frau nicht ausgeliefert, nein, sie wehrte sich mit einem beherzten tritt in die (Kannibalen)eier und ballerte ihm schlussendlich die Rübe weg.

Der Unterschied zur US Produktion ist augenscheinlich: Während in der einen Produktion die Menschen einfach nur wie Schlachtvieh dahertaumeln und geradezu bereitwillig angezündet und geachtelt werden, führten die Briten einen gleichberechtigten Kampf. Zunächst unterlegen, weil überrumpelt, besannen sie sich auf ihre Stärken und gewannen.

Und der kulturelle Hintergrund? Ganz einfach. Kommen wir auf das Mädchen zurück, welche als erste den Löffel abgab: Das ist eine Situation, die durchaus nachzuvollziehen ist – für mich als Durchschnittseuropäer. Während ich mit der amerikanischen Version nichts anfangen kann. Auch mit den Einzelpersonen verbindet mich nichts. Zu stark sind die Klischees, zu stark die differieren Lebenswelten. Ich glaube, selbst wenn es eins zu eins die gleiche Szene gewesen wäre, die eine in Texas, die andere in Schottland, wäre die Englische für mich nachvollziehbarer gewesen.

Und das ist für mich ein generelles Problem. Der Schauplatz Europa, auch bei Amifilmen wie Bourne, macht für mich einen Film 1000x interessanter, weil ich mich als Europäer sehe. Und so dürfte es den Amerikanern auch gehen. Die denken sich eventuell:

Ja, das alte Europa. Das ist ja ganz nett, aber was habe ich damit zu tun?

Best of „MSO“ Teil 1 – Heute: Arnsberg. Die Stadt die Verrückte macht.


Man muss ja nicht immer alles wegwerfen. In loser Reihenfolge gibt es einige Artikel aus meinem alten Blog noch einmal im Schlaraffenland. Viel Spaß damit.

22. September 2010

Ich bin ja letzte Woche mit einem Heldenhaften Sprung vor einem Krankenwagen ausgewichen. Dabei verletzte ich mich. Soweit wisst ihr das ja schon. Am nächsten Tag ging ich ins Krankenhaus, weil mein Fuß immer schlimmer schmerzte und ich nicht mal mehr schlafen konnte. Wie naiv ich doch war.Station 1: Das MSO geht ins Neheimer Krankenhaus. Weil es ja so naheliegend ist. Ich humpele also unter scherzen einmal durch die halbe Stadt (Neheim ist ja nicht besonders groß. Also wars nicht son Problem.) In der Lobby des ultramodernen und sehr schicken Gebäudes (typisch Neheimer Geldadel) sagt mit die freundliche Rezeptionistin, dass es keine Notaufnahme für chirurgische Fälle in Neheim gäbe. „Nehmen sie sich ein Taxi und fahren sie nach Hüsten.“ Toller Tipp. Bin ich ein Anwalt auf Rente, dass ich mir so was leisten kann? Ich muss ja auch wieder zurück. Also wäre alleine die Fahrerei 40 Euro. Und ich hab nur 20 auf der Tasche.Station 2: Ich bin wieder nach hause gehumpelt. Erstmal die Arbeit zum zweiten mal am heutigen Tage anrufen. „Ich kann nicht sagen wie lange ich ausfalle, weil mich hier in Neheim keiner behandeln will! Ich muss irgendwie nach Hüsten kommen. Ich ruf an wenn ich mehr weiß.“ Mangels Kohle bleibt mir nichts andere übrig als den OMMI zu bemühen. Ich wollte ja gar nicht selber fahren. Schon alleine weil der Kuppelfuß so Arsch weh tut.Station 3: Mit Tränen in den Augen komme ich am Hüstener Krankenhaus an. Wo bitte ist der Eingang? Achso. Vom Parkplatz aus 500 Meter südöstlich. Humpel, humpel. „Hallo. Wo ist die Notaufnahme?“ (Inzwischen komme ich mir bei der Frage echt dämlich vor. Denn bei all dem Gerenne hätte ich auch zur Arbeit gekonnt. Hätte genauso weh getan.) Die freundliche Antwort des Pförtners: „500 Meter südwestlich. Am anderen Ende des Gebäudes. Sie erkennen das daran, dass man durch die Fenster den Parkplatz sieht.“

500 Meter später. Eine weitere Rezeption. Ich schildere meine körperlichen Beschwerden wegen denen ich da bin. „Tut mir leid. Chirurgische Fälle können wir nicht behandeln. Wir können sie untersuchen aber zur Weiterbehandlung müssen sie zu einem Arzt für chirurgische Medizin. Der hat auf dem Gelände eine Praxis. Dann müssen sie hier und dort jeweils 10 Euro bezahlen. Wollen sie das?“ Mir platzt die Hutschnur und ich raunze die Tante hinterm Tresen an: „Ich will gar nichts bezahlen. Ich bin verletzt. Ich will behandelt werden und nicht wie Karl Arsch von A nach Z geschickt werden.“ „Beruhigen sie sich. Wenn sie darauf bestehen sehen wir uns das an. Es dauert allerdings etwas.“

Nach einer knapp zweistündigen Wartezeit höre ich meinen Namen. Ein netter Arzt arabischer Abstammung untersucht mich. Macht Notizen und schickt mich erneut in den Warteraum. 30 Minuten später geht’s zum Röntgen. Erst der linke Fuß. Was auch richtig ist. Doch dann will die die zuständige Pflegerin mein linkes Knie durchleuchten. Ich weise sie darauf hin das es das rechte ist. Sie besteht darauf das in der Akte das Linke eingetragen ist. Der Arzt von vorhin wird gerufen. Und der bestätigt seinen Fehler. Komisch. Ich werde ja wohl wissen was mir weh tut. Warum glaubt die mir nicht? Abgesehen davon ist nicht das linke sondern das rechte Knie aufgeschlagen. Was solls…

Zum Schluss gibt es sogar fast so was wie ein Happyend. Der Arzt ist wieder da. Entschuldigt sich für seinen Irrtum und lässt mir von nem Pfleger die betroffenen Stellen bandagieren. Ich habe keine Brüche sondern nur Prellungen (was ich mir aber schon dachte, sonst hätte ich nicht so munter durchs halbe Sauerland tollen können) und die Schmerzmittel lassen mich meine Wunden vergessen. Und ich muss auch nicht zur Weiterbehandlung zum nächsten Arzt. Leider können mir die im Krankenhaus keinen gelben Schein ausstellen. Dafür muss ich am nächsten Tag nochmal zum Hausarzt. Und 10 Euro bezahlen. Arnsberg. Die Stadt die Verrückte macht.