RUF MAL EINER STOPP


Donnerstag. 17/00 Uhr.

Heieieiei. Was soll ich mir nur anziehen? Normalerweise mache ich mir über so was kaum Gedanken. Ich ziehe einfach an was da ist. Was auch die teilweise recht wunderlichen Farbzusammenstellungen erklärt. Aber nun ist es etwas anderes.

Ziehe ich nun das grüne T-Shirt an? Oder das feuerrote mit dem Emsland Schriftzug? Oder doch das schwarze mit dem Totenschädel?

Das Problem ist, dass man nicht weiß was man nun aussagen will. Letzten Endes habe ich mich für ein lilanes T-Schirt entschieden. Das sagt eher wenig aus. Ja, ja. Wie war das mit der sexuellen Erfüllung und der Farbe Lila? Ist mir egal. Ich besuche unsere Kanzlerin. Die Merkel macht fleißig Wahlkampf in NRW. Unter anderem auch auf dem Neheimer Marktplatz. Und da ich nur wenige Meter von eben jenem entfernt wohne, muss ich da wohl vorbeischauen. Da geht einem als aller letztes der Gedanke nach sexueller Erfüllung durch den Kopf.

18/00 Uhr

Da stehe ich nun mit einer Freundin. Noch ist viel Platz. Nah kommen wir der Bühne aber nicht. Ein Bereich von knappen 100×100 Metern ist für VIPs reserviert. Das bedeutet Parteimitglieder aus Arnsberg und Umgebung. Die dürfen sogar sitzen. Wenn ich mir die so anschaue könnten die meisten auch gar nicht mehr lange stehen. Eine kleines Meer aus mint, ocker, beige und kaki breitet sich vor mir aus. Wie Schaumkronen auf den Wellen das silberne Haar. Beinahe beruhigend dieser Anblick. Keine hektischen Bewegungen, höchstens ein sanftes Wogen wenn sich langsam einer der scheintoten Kreaturen rührt. Jäh werde ich aus meiner Meditation gerissen als der Rötgen das Wort ergreift. Vorher hatten unbedeutende Kommunalpolitiker was von sozialer Gerechtigkeit geschwatzt – und vom Autobahnbau. Aber so richtig hörte ich ja wie gesagt nicht zu.

Leider mache ich diesen Fehler beim Röttgen. Puuuuhh. Populistischer ging es ja gar nicht. Eine eine kaum abgeschmeckte Mischung aus Parolen der Linken, der Grünen, der FDP und der SPD zusammen mit einigen altbackenen Bemerkungen um die Stammwählerschaft nicht tot von der Schützenfestgarnitur kippen zu lassen. Eine eierlegende Wollmilchsau will die CDU sein. Ich würde gerne mal klare Beispiele nennen. Nur hat sich der Herr auch nie klar ausgedrückt. In seiner kleinen Hasspredigt ging es dann auch ans eingemachte. Denn wo er konkret wurde, war bei Verunglimpfungen den anderen Parteien gegenüber. Trottel ist da noch gnädig. Er betonte auch sehr häufig, dass für jeden guten Deutschen die Grünen und die SPD nicht wählbar sind, weil sie anscheinend etwas gegen unsere Verfassung haben.

Zwischendurch spielt dann auch noch eine Blaskapelle. Zunächst zünftige Märsche. Aber mich haben sie zu dem Zeitpunkt als Fan gewonnen, als sie das Thema vom A-Team spielen. Und zwar komplett! Leider nicht als die Merkel in die Manege – äähhh auf die Bühne – marschiert.

Wo wir gerade bei der sind. Inhaltlich dem Röttgen ähnlich. Als sie jedoch auf das Thema Verschuldung zu sprechen kommt verschlägt es mir den Atem. Anders als ihr Vorredner sagt sie sinngemäß, dass ja wohl nicht nur eine Partei für die hohe Staatsverschuldung verantwortlich sei und sich alle mal an die eigene Nase packen müssten. Die CDU inklusive. (Sie lies natürlich durchblicken, dass nur die CDU das ändern könne.)

Ei. Harte Worte. Ihre ganze Rede war ernsthaft und gleichzeitig mit einer Priese Humor. Auch unterließ sie Schmähreden. Betonte, dass Menschen mit Migrationshintergrund einen wichtigen unternehmerischen Beitrag leisten. Zum Schluss machte sie sogar ein paar selbstironische Bemerkungen und ich erwischte mich dabei wie ich mitlachte. So eine S*#+E.

Trotzdem ist das alles nix halbes und nix ganzes. Demnächst sind Wahlen. Und ich weiß nicht welches metaphorische T-Shirt ich anziehen soll.

  •  Auch wenn die Merkel gut gesprochen hat. CDU geht gar nicht.
  • Die Grünen? Die sind auch nicht besser als alle anderen. Die werden mir sogar zunehmend unsympathischer.
  • Die SPD? Hmmm.
  • Und die Piraten? Was haben die denn zu bieten? Die sind doch ne reine Protestwählerpartei.
  • Die Linke oder FDP? MUAHARHAR: Guter Witz…
  • Und den Rest muss man hier nicht mal aufführen…

Ich glaube ich mach es so wie ich es neulich gehört habe: Ich stell mich in die Wahlkabine und lasse meinen Finger immer von oben nach unten gleiten und sage ganz laut:

RUF MAL EINER STOPP!

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Und: Action!


In den 90ern und frühen 00ern kamen viele übertrieben bunte „Actionknaller“. Aber ein ganz besonderes Leckerli ist ja nach wie vor das 2000er Machwerk „Mission: Impossible 2“. Von dem damals hoch gefeierten John Woo. Dieser Film passt perfekt in seine Zeit. Eine Zeit, als Lora Croft den Verstand des Zuschauers beleidigte und drei Engel für Charlie als fleischgewordene und äußerst brutale PowerPuffGirlsMafia auftraten. Nichts gegen die Power Puff Girls. Aber gegen diesen Scheiß.

Diese komplett überzogene Action ist selbst für mich zu viel des Guten. Und ich bekenne folgendes:

Ich schaue mir gerne Filme an in denen Dinge explodieren, smarte Typen böse smarte Typen abknallen und coole Verfolgungsjagden ein Highlight sind.

Nur hat man damals alles einen Ticken (oder auch drei bis vier) zu bunt, zu schnell, zu choreographiert gemacht. Das gibt es heute in Form von „Transformers“ und „die schnellen und furiosen (Typen aus LA und vom FBI, die extrem gut Autofahren können)“ auch noch. Aber selbst diese beiden Beispiele schaffen es durchaus zu unterhalten, wenn man die Filme nicht zu ernst nimmt. Denn als Zuschauer fühlt man sich durchaus ernst genommen. Es ist zwar alles Quatsch was dort gezeigt wird. Aber die meisten Szenen sind relativ schlüssig. Es explodieren auch immer noch Autos. Aber nicht weil der Hauptprotagonist zufällig in die Richtung des Autos guckt. Ich krame einfach noch mal M:i-2 hervor um zu verdeutlichen was ich meine:

Herr Woo hat eine Vorliebe für Zeitlupensequenzen. Was ziemlich gemein ist. Während der Bösewicht in normaler Geschwindigkeit rennen darf, muss Hunt gaaaanz langsam und gemächlich den Killervirus vernichten. Macht sich zwischendurch noch Gedanken welche Tapete besser ins Wohnzimmer passt und wundert sich nach 10 Minuten Träumerei, dass auf mal der Bösewicht neben ihm steht und seine Schnalle erschießen will. Mit der natürlich beide Intimkontakte pflegen.

So geht das Szene um Szene. Dann flattern da noch überall Tauben durchs Bild, welche den künstlerischen Ansatz unterstreichen sollen. Natürlich flattern die Viecher ebenfalls in Zeitlupe.

Die total langweiligen Verfolgungsjagden sind ebenfalls eine Zumutung. Langweilig? Das passiert doch so einiges. Genau das ist das Problem. John Woo verwechselt Musical mit Actionfilm. Er lässt die Moppeds regelrecht miteinander Tanzen. Und es ist nicht ersichtlich warum das geschieht. Es geschieht einfach. Mal fliegt das rote über das schwarze. In der nächsten Einstellung macht das schwarze einen Burnout und das rote fährt rückwärts eine Mauer hoch. Dabei ist Woo sehr visionär. Denn die Mofas zeigen Ansätze von Transformertechnologie. Fahren sie über Sand haben sie grobstollige Reifen, auf der Straße Straßenbereifung und auf Holz Regenreifen.

Herr Who macht sich auch gar nicht die Mühe diese offensichtlichen Patzer zu verbergen. Nein. Zum Einsatz kommt wieder seine Zeitlupe.

Und in dieser Zeitlupe gibt es noch eine Extraeinstellung auf die Reifen, in welcher selbst der letzte Depp erkennt dass da was nicht stimmt.

Wer über modernes Actionkino meckert soll sich einfach mal 10 Jahre in die Vergangenheit bewegen und das Blockbusterkino von damals einschalten. Ein gutes Beispiel ist der vierte Abklatsch von Mission: Unmöglich. Der ist nämlich gar nicht soooo schlecht. Besonders im Vergleich zu den Vorgängern.

Fazit:

Ich kann an sich gar nicht in Worte fassen wie sehr ich diese Nachtgeburten der 90er verachte. Filme die im Vergleich selbst Octoshark vs. Monstercrok zum ARTEtauglichen Autorenfilm hochstilisieren können.

PS: Wie sehr M:i-2 90er ist sieht man im Abspann: Der ist in stilvollem Comic Sans gehalten und mit Metallica unterlegt.

 

Dann mal los!


Da sitze ich nun und starre durch das Fenster auf den Neheimer Dom. Es nieselt und der Himmel ist wolkenverhangen. Manchmal ist es schon lustig wie das Wetter zu meiner Laune passt. Oder ist es umgekehrt? Nein. In diesem Fall nicht. Das Wetter passt zu meiner Laune. Ich bin gar nicht schlecht drauf. Eher gemütlich und gedämpft – heute etwas farblos. Meine Socken sind ausnahmsweise sogar identisch und schwarz. Und aus mir lösen sich im Minutentakt Tröpfchen, die durch den Raum fliegen. Ich bin nämlich gerade im Wartezimmer des Arztes und hab ne dicke Erkältung.

Mangels lesbarer Magazine starre ich nun aus dem Fenster. Meine Gedanken beginnen zu kreisen. Ich denke mir, dass es ja nicht unpraktisch wäre, wenn der Körper Serviceklappen hätte. Dann könnte man defekte Teile einfach austauschen. Ohne große OP. Einfach ein Ersatzteil bei E-Bay ersteigern und vom Nachbarn der Ahnung hat einbauen lassen. Man selbst ist dazu vermutlich nicht in der Lage. Solange schaltet man das Hirn aus. Hat man sich nen Virus eingefangen oder einen Parasiten besorgt man sich ein Antivirus und gut is. Hmm. Aber der Körper wäre dann echt ungemütlich und Hart. Das wäre zumindest bei Frauen schon ein Manko. Frauen müssen sich „gut“ anfühlen. Denn…

In diesem Moment kommt jemand in den Warteraum und begrüßt mich überschwänglich. Was ich denn hier wohl machen würde. Dumme Frage. Krank sein, auf den Doc warten und aus dem Fenster gaffen um dummen Gedankengängen zu folgen. Es handelt sich um eine Mutter aus der Kita. Na super, denke ich mir. Jetzt weiß jeder Bescheid das ich krank bin. Ist ja nu kein Staatsgeheimnis. Aber dann wird man immer darauf angehauen. Ich grüße freundlich zurück, gebe eine knappe Auskunft, frage der Freundlichkeit halber nach, was sie denn nun hat und konzentriere mich wieder auf das Fenster.

Der Nieselregen ist stärker geworden. Diese Sauerländer. An sich sind sie ja ganz nett. Halt Menschen wie überall auf der Welt. Oder zumindest in Deutschland. Nerven tun sie trotzdem bei Zeiten. Neugierig ohne Ende. Gerne am Lästern und Tratschen. Die Offenheit des gebürtigen Sauerländers beschränkt sich, so ist mein Gefühl, lediglich darauf Informationen zu sammeln, welche man gegen einen verwenden kann. Offenheit freundlicher Natur ohne Hintergedanken ist schwerer zu bekommen. Gott sei dank hat sich in den letzten Monaten so einiges aufgeklärt. So das ich die Schuld daran, hier keinen Anschluss zu finden, nicht mehr bei mir suchen muss.

Ein Posten weniger um den Man sich sorgen muss. Ich hab mich mit einigen Leuten unterhalten die auch zugezogen sind. Teilwiese sind es Polen, teilweise Hamburger, auch aus dem Ruhrgebiet so einige. Und allen war gemein, dass man hier nur sehr schwer irgendwo reinkommt. Die verschiedenen Beispiele aufzuzählen spare ich mir, weil es nicht meine Erlebnisse sind. Aber so ist es doch schön, die Gewissheit zu haben, dass egal wie lange man hier ist, man immer ein Außenseiter bleiben wird. Ergo geht man wieder. Wollen wir mal abwarten wann das soweit…

Boing. Ein Patient springt plötzlich auf. Ein Rentner. Wie von der Tarantel gestochen. Er grüßt zum Abschied, schnappt sich im Rennen seinen Schirm und ist verschwunden ehe man „Rentenversicherung“ sagen kann. Für einen Moment glotze ich auf den leeren Stuhl. Dann auf meine Schuhe. Zum Schluss wieder auf das Fenster. Unten im Hof parkt seit Jahren immer an der gleichen Stelle ein New Beetle. Und jedes mal denke ich das gleiche. Wie bekommt man das Ding optisch so hin, dass es meine Augen nicht mehr beleidigt. Ich komme immer zu dem Schluss das ein schönes Feuer oder ein…

 „Herr W. Bitte kommen sie ins Zimmer Nr. 3.“

Oh, ich bin endlich dran. Na dann mal los…

Best of „MSO“ Teil 4 – Heute: Spion Widerwillen


Man Muss ja nicht immer alles wegwerfen. Wie immer gibt es einen meiner Lieblingsartikel von meinem alten Blog.

26. April 08
Es gibt Dinge, die möchte man nicht wissen. Z.B. wie lange, wie laut und wie gut der Sex der Nachbarn ist. Zugegeben, die Dame sieht nicht übel aus. Sie hat den Sex aber nicht mit mir!
Man will ja kein Spießer sein und klopft darum nicht an die Wand. Das erwartet man ja auch wenn man sich selber – ääähhmm – sportlich betätigt. Was mich eher stört sind die Uhrzeiten ihrer Ausritte. Die Tante muss Arbeitslos oder Studentin sein. Wer sonst hätte die Zeit Wochentags um Drei- oder Vieruhr in der Nacht die Sau raus zu lassen. Bevorzugt wenn ich meinen Schlaf dringend brauche. Cirka 95% aller Schultage sind überflüssig, aber an den 5 von 100 an denen ich fitt sein muss pimpert die Alte die ganze Nacht durch.
Wenn meine Nachbarn laut Party machen frage ich in der Regel ob ich mitmachen darf. Aber die sind auch am Wochenende. Und es sind Partys. Es sieht dagegen ganz anders aus wenn jemand bei den Nachbarn, sagen wir mal Dienstagnacht um 4 Uhr, klingelt und fragt, ob er beim Schäferstündchen mitmachen darf. Darum hab ich folgendes an ihre Tür gehängt: