Aus zwei mach keins


Sonntag, 2:30 Uhr

Gerade komme ich zu Fuß nachhause. Wer kennt das nicht? Zwei Autos in der Garage und keines kann fahren. Wobei an dieser Aussage zwei Dinge nicht korrekt sind.

Pavel kann, darf aber nicht, weil er weder TÜV noch Zulassung hat. Ich hab ihn ja abgemeldet nachdem der Polizei aufgefallen ist das der TÜV um ein paar Monate überzogen war.

Und Ommi steht nicht in er Garage, sondern ein paar Kilometer weiter den Berg hoch. Bei Freunden vorm Haus.

Wir hatten einen echt schönen und langen Abend. Und als ich gerade, es war circa kurz nach zwei Uhr in der Nacht, die Karre anlassen wollte machte der Anlasser nur „KlickKlickKlick“. Das gleiche Klicken was man auch zu hören bekommt wenn die Batterie alle ist.

Das war nicht ganz ohne Ankündigung. Der Geselle hat das schon einige Zeit. Dann ist es so als würde der Anlasser stecken bleiben. Beim zweiten Versuch springt er dann aber immer an. Das Klicken ist allerdings neu. Und weil der Anlasser, man nennt es glaube ich „durchrutscht“, springt logischerweise der Motor nicht an.

Leider habe ich aber keine Ahnung ob wirklich der Anlasser der Grund ist. Und ich weiß nicht einmal wo ich den finde. Ich schaue gleich erst mal in meine Printausgabe von „Jetzt helfe ich mir selbst: Opel Omega A“ und gucke mal ob das Buch mehr weiß.

Gut ist: Ich weiß das er unter der Motorhaube in der näheren Umgebung des Aggregats sein muss.

Warum ich die Batterie als Schweinehund ausschließe? Die ist erstens neu und zweitens ist sie nicht leer.

Achjaaaaa. Immer diese Luxusprobleme. Pavel steht ja zum Verkauf. Am Montag will ein möglicher Kunde mit der Eisenbahn gen Sauerland reisen und ich soll ihn abholen. Was nicht geht. Ergo: kein Verkauf. Dieser wäre aber toll, damit ich mir mögliche Ersatzteile leisten kann.

Ich mach mir über den ganzen Scheiß aber erst mal keinen Kopf. Morgen werde ich Pavels Batterie ausbauen und damit noch oben wandern um auszuschließen das die im Ommi befindliche Batterie der Übeltäter ist. Dann lasse ich mir noch Starthilfe geben. Und wenn das alles nix bringt rufe ich meine Freunde von den gelben Engeln und lasse das Auto nach Hause schleppen. Und dann sehen wir weiter.

Ich muss eh nirgends zwingend hin (außer zum Bahnhof), Lebensmittel sind im Haus und zur Arbeit komme ich zur Not per pedes.

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Busted


Vorbei die Zeit der süßen Portion Anarchie die mein Leben bereicherte. Der Pavel musste diese Woche abgemeldet werden oder über den TÜV gebracht. Für letzteren sieht es Essig aus, weil ich im Augenblick weder eine Werkstatt zur Verfügung habe noch Geld für Ersatzteile. Also abmelden. Dabei ist der Pavel gar nicht schlecht in Schuss. Zylinderkopfdichtung muss unbedingt gemacht werden und er braucht einen zuverlässigen Lüfter für den Kühler. Die Roststellen kann man auch Beispachteln. Scheiß der Hund drauf.

Doch beginnen wir dort, wo das (vorläufige) Ende seinen Anfang nahm. Ich liebe es immer zu rekonstruieren wie es zu einem Unglück gekommen ist. Ist vermutlich eine Berufskrankheit. Als Pädagoge muss man ja laufend reflektieren und überlegen was gut war und was besser laufen könnte.

 Dienstag Morgen.
Ich will nach der Arbeit mit dem Ommi direkt zur Werkstatt meines Vertrauens düsen. Abchecken welche Ersatzteile ich für die Vorderachse genau brauche und wie groß der Schaden nun tatsächlich ist – und ob man mit ein zwei Kniffen damit erst mal fahren kann. Nur springt die Karre nicht an. Inzwischen bin ich ja auch einige Zeit nicht mit dem Hobel gefahren. Nur ein Mitleid erweckendes „KlickKlickKlick“ aus dem Motorraum. Ach scheiße. Ich muss noch das Brot für die Kinder vom Bäcker holen. Also habe ich keine Zeit den Ommi zu überbrücken (denke ich) und nehme den Pavel.

Raus aus der Tiefgarage. Rein in die Spielstraße. Und das erste was ich sehe ist ein Streifenwagen. Grr. Na ein Glück das ich noch zum besagten Bäcker muss. Die Polizisten hier ziehen einen nicht so schnell aus dem Verkehr. Die Fahren einem Hinterher bis man von alleine anhält. Ich hatte schon das zweifelhafte Vergnügen das die mich direkt vor der Kita zur Kasse gebeten haben. Das war natürlich kein toller Anblick für Kinder und Eltern und für mich echt peinlich.

Naja. Als ich anhalte ziehe ich schon die Geldbörse aus der Hosentasche und friemle Führerschein und Fahrzeugpapiere hervor.

Ich begrüße die Polizisten mit einem ironischen Lächeln und den Worten:

„Guten Morgen. Führerschein und Fahrzeugpapiere. Richtig?“

Zu meinem Glück hat die Aktion direkt das Eis gebrochen. Der Jüngere beginnt einen freundlichen Dialog und lässt mich sogar zum Bäcker gehen während der Ältere meine Fahrzeugdaten und Personalien aufnimmt. Die machten auch kein langes Tara. Sie haben gleich gemerkt das ich anscheinend kein Verfassungsfeind bin, sehen nur den abgelaufenen TÜV-Stempel und begutachten das Auto ansonsten nur interessiert. Sie loben Pavel sogar. Im Mängelbericht steht dann auch nichts. Halt nur der verpasste TÜV-Termin.

Und ganz ehrlich? Schikane sieht anders aus. Die beiden mussten so handeln. Der TÜV ist nun mal runter.

Zja. Insgesamt hat die Aktion länger gedauert als den Ommi zu überbrücken. Aber ich hatte wenigstens eine gute Ausrede für meinen Chef. Ich war auch abends noch in der Werkstatt. Der Meister hat nochmal nachgesehen und sagte, das er mich damit Fahren lassen würde solange ich die Gelenke im Auge behalte und alle mit der Spritze regelmäßig abschmiere. In den nächsten Wochen geht es dann aber los mit der Reparatur.

PS: Das war übrigends die erste Kontrolle die ich im Pavel hatte. Was ich jetzt mit dem Auto mache? Keine Ahnung. Wollen wir mal sehen.

Und das am frühen Morgen


DING DONG. Hmm? Ich brauche erst mal einen Moment bis ich begreife, dass es an meiner Tür geläutet hat. Geh ich an die Tür? Ich bin noch in Boxershorts und T-Shirt unterwegs. An meinen Füßen dicke Kuschelwollsocken die mir meine Arbeitskollegin gestrickt hat. Die sind echt toll. Giftgrün und Feuerrot geringelt. Beide Socken unterscheiden sich außerdem in der dicke der Ringelung (sagt man das so?). Genug der Socken. Es ist Sonntagmorgen. Circa 10 Uhr. Wer um alles in der Welt würde denn um diese Zeit bei mir Klingeln? Es gibt nur einen Weg das herauszufinden.

Voller Neugier und Tatendrang begebe ich mich zur Tür. Was im Klartext folgendes bedeutet: Langsam stelle ich den Becher Kaffee auf den Schreibtisch und stoße den Stuhl ein Stück nach hinten um ihn drehen zu können. Nach einer Gedenksekunde stehe ich auf und schluffe langsam zur Tür. Zum Glück habe ich einen Kommunikator und muss die Tür nicht öffnen.

Besucher: „Hallo, hier ist ihr Nachbar. Sie haben das Seitenfenster von ihrem Auto offengelassen. Und ihr ganzes Zeug liegt noch drin.“
Ich: „Oh. Ähm danke. Das ist ja gut.“
B: “Gut?“
Ich: „Das mein Zeug noch drin ist. Und das sie Bescheid sagen.“
B (stutzt): „Bevor ich es vergesse. Es regnet außerdem rein.“
Ich: „Das tut es immer. Aber sie haben schon recht. Mit nem offenen Fenster sollte man nicht an der Straße parken. Vielen Dank. Ich kümmre mich darum.“

Was für ein Stress. Ich war gestern Nacht noch unterwegs. Damit der Motor nicht überhitzt mache ich im Stadtverkehr immer die Heizung an. Und das Fenster auf. Also hat das Auto logischerweise die ganze Nacht offen dagestanden. Ob das Stativ noch da ist welches mir ein Kumpel geliehen hat? Nun werde ich doch munter und sehe zu das ich in die Pötte komme. Wäre scheiße wenn das verschütt wäre.

Nachdem ich mir notdürftig Hose und Sakko überwarf und die tollen Socken gegen Hausschlappen eingetauscht habe trete ich in den Regen. Nach wenigen Sekunden bin ich auch schon nass.

Ich renne nach rechts. Ich glaube das ich das Auto dort gestern abgestellt hatte. Am Ende der Straße beliebe ich verdutzt stehen. Es ist weg! Ach du scheiße. Hat das am ende jemand geklaut? Ruhig, ruhig! Denk nach, McFly. Denk nach. Bestimmt steht es vor der Apotheke. Wieder zurück gerannt. Am Haus vorbei. Bis an das andere Ende der Straße. Dann abgebogen. Kein Auto da. Mensch Pavel. WO BIST DU?

Vor der Feuerwache? Nee. Da stehe ich am Wochenende fast nie, weil man da so weit laufen muss. Egal. Gucken gehen. Inzwischen klatschnass und reichlich genervt renne ich wieder die Straße entlang. Biege ab. Und sehe folgendes: kein verbeultes jämmerliches Auto mit offener Scheibe. Mitlerweile bin ich dann doch etwas beunruhigt.

Wo könnte er denn dann stehen? Langsam gehe ich zur Wohnung zurück und grüble. Was habe ich gestern gemacht? Ich habe hinter einem silbernen Corolla eingeparkt. So dicht, das ich mich beim Vorbeiquetschen zwischen den Autos am Schweinehaken des Corollas gestoßen habe und jetzt nen blauen Fleck am Schienbein habe. Doch wo war das? Aber klar doch!

Jetzt weiß ich auch wieder warum mein erster Impuls war nach rechts zu rennen. Ich habe vor dem Bäcker und nicht vor dem Makler, wie sonst, geparkt. Das ist auf der anderen Seite der Kreuzung. Da hab ich natürlich nicht hingesehen. Zack, zack. Beine in die Hand.

Und da steht er. Der Pavel. Dieser bemitleidenswerte Wagen. Das Beifahrerfenster komplett herunter gedreht. Ich gucke rein. Ein Zentimeter Wasser dürfte da wohl an der Tiefsten Stelle drin stehen. Aber das beste: Stativ und dem ersten Blick nach zu urteilen der ganze Rest ist noch da. Juche, jucha, jucheisasa.

Jetzt sitze ich hier und überlege ob ich den Knopf heruntergedrückt habe nachdem ich das Fenster hochdrehte. Geh ich nochmal raus?

Best of „MSO“ Teil 6 – Heute: KLONK


Dieser Oldie passt perfekt zum Wetter dort draußen. Don’t waste the waste!

11. März 2010
Frühdienst. Da muss man zwar unglaublich früh raus, kann aber mittags nach hause! Das wird ein toller Tag! Alles beginnt wie jeden Morgen. Ich verlasse die Wohnung, knalle ohne abzuschließen die Tür hinter mir zu, damit die Mitmieter auch wissen, dass ich wech bin.
 Ich hab wirklich gute Laune. Warum auch nicht? Die Sonne scheint und draußen ist es trotz der Minusgrade wärmer als in meinem Bad. Und dort war es schon klasse, weil die heutige Ausgabe des Spiegelbildes nicht ganz so abstoßend war wie sonst.Ich stehe also vor dem Haus und träller „play that funky music“. Die Sonne wärmt meine Haut ich gehe weiter, schließe dabei die Augen und genie… platsch. Scheiße. Ja alles hat zwei Seiten. Schmelzwasser…Na geil.
Jetzt hab ich nen nassen Schuh und ne nasse Socke. Und das nach 5 Metern. Kein neuer Rekord, aber ärgerlich. Ich schmunzle und gehe zum Wagen. Man, wie er in der Sonne glänzt. Gestern habe ich den Ommi ja auch frisch gewaschen. Schon für diesen Anblick hat es sich gelohnt. Schlüssel rein. Oh, geht schwer. Die Zentrifugalverriegelung öffnet sich aber mit einem hörbaren „Tschack“. Radio an, WOW, Night Train läuft gerade.
Hehe.So, Tür zu und los. KLONK. Moment – Klonk?? Das macht sonst FOPTSCHAK und nicht KLONK. Klonk ist nicht gut. Nur so aus Spaß will ich ausprobieren ob die Tür das Geräusch nochmal macht, wenn ich sie erneut öffne und schließe. Macht sie aber nicht. Denn sie öffnet sich nicht mehr! Verdammt! Ich hab ja schon so einiges gehört. Aber noch nie, das einer in seinem Wagen festsaß, weil die Türmechanik blitzgefror! Ich probiere die Beifahrertür. Auch blockiert. Wie das geht weiß ich nicht, aber es geht. Tolle Wurst.
Intelligenter weise habe ich ja immer Schlossenteiser IM Auto. Ich wusste immer das sich das irgendwann auszahlen würde.Quiiik, quiiiik, quiiiik. Scheibe runtergekurbeln zum Takt von James Brown. Gaaaaaaaanz lässig den Arm raus gelegt, als wäre es ein schöner Sommertag und unauffällig etwas Enteiser ins Schloss getröpfelt. Einwirken lassen, Motor gestartet und so getan als würde ich ihn warmlaufen lassen. Knopf rauf und runter gedrückt. Türöffner betätigt. NIX! Nichtmal ein widerstand zu spüren. SCHEIßE. F****K, HIMMEL ARSCH UND LAPALOMA!
Oh man! In 5 Minuten muss ich da sein. Zum Laufen ist es zu spät. Also Pedal zum Metall und mal gucken was ich mache wenn ich in der KITA bin. Wird bestimmt ein toller Anblick wenn ich nach hinten kletter um die Fondtür zu nutzen. Aber wer sagt das die funktioniert? Inzwischen geht mir auf, dass ich vor der eigentlichen Waschanlagenfahrt am Vortag die Fugen und alle Dichtungen mit dem Hochdruckstrahler gereinigt habe. Das wird der Grund gewesen sein. 4 Minuten später bin ich auch schon da. Wagen parken. Gebe ich der Tür noch eine Chance? Ja. Augen zugekniffen, Zähne zusammengebissen und laaangsam am Öffner gezogen uuuund …..

Klack. KLACK! JAWOLL! Danke Ommi! Der Tag beginnt. Und dieser ist soweit recht ereignislos.

Bis zum Mittagessen. Machen wir es kurz. Ich packe gerade Reis, Hühnergeschnetzeltes und so weiter in die Schüsseln. All das wird aufs Tablett geräumt und los geht’s. Zur Fütterungszeit muss alles schnell gehen. Also lege ich einen Zahn zu und eile die lange, gewundene Treppe des etwas exzentrischen Baus nach oben, als ich mir mal wieder selbst im Weg stehe. Fuß und Stufe haben Feindkontakt, mein Kadaver kippt nach vorn, meine Augen werden größer und die überschwappende, doch zum Glück nur lauwarme Sauce überdeckt jedes einzelne Kleidungsstück in Sekundenbruchteilen. „OH NEIN! SO EINE SAUEREI.“ entfährt es meinem, im Kindergartenmodus befindlichen Fluchzentrum. Nach der Treppenreinigung hatte ich dann Gnadenfeierabend und konnte ne halbe Stunde eher gehen. Dreckig und Stinkend wollte ich nur noch nach Hause. Den Vorfall am Morgen hatte ich schon ganz vergessen als ich den Schlüssel ins Schloss der Autotür steckte. KLONK.

Kippen, Tapes, die Straße und Weihnachten


WOW! Ich hab das Weihnachtsfeeling. Hätte nicht gedacht, dass ich das dieses Jahr noch so ausgeprägt bekomme.

Allerdings nicht wegen der Geschenke. Ich bin mir nicht mal sicher, ob ich welche bekomme. Aber scheiß drauf. Ich freue mich viel mehr darauf aufzubrechen. Abgesehen davon ist es dunkel und kalt. Von Minute zu Minute zieht der Himmel mehr zu. Total geil und das ORIGINAL Emsland Weihnachtswetter – wie man es aus seiner Kindheit kennt. Ohne Schnee. Dafür mit faustgroßen Regentropfen! Und ich bin noch im Sauerland, wo Schnee im Winter die Regel ist. Wie geil wird das dann erst im Emsland? Es könnte am 25. dann noch so was von Frieren, dass die ganze Gegend komplett von einem weißen Eispanzer überwuchert wird. Und fertig wäre Weihnachten 1984 bis 2006.

Ich steigre meine Vorfreude gerade dadurch, dass ich ein neues Tape aufnehme. Seite A mit tollen neuen Liedern, welche mein Leben in den letzten Monaten bereichert haben und Seite B mit ollen Kamellen aus der guten alten Zeit. Dass ist das, wofür dieses Jahr Weihnachten steht. Tradition und Neues. Ich bin gespannt.

Allerdings muss ich immer noch packen. Ich muss zum Beispiel an mein Handyladegerät denken. Das hab ich im letzten Jahr nie gebraucht, weil ich entweder nicht lange genug weg gewesen wäre um es zu benötigen oder mich in einem Umfeld aufhielt, in dem es Telefone und Internet im Überfluss gab. Doch nun bin ich endlich mal wieder on the Road. Und der ADAC will ja auch angerufen werden können. Wollen wir mal nicht hoffen, dass das eintritt.

Außerdem noch meine MAD MAX Sammelbox, die Geschenke, Digicam + Ladegerät und Klamotten für verschiedene Anlässe. Was aber nicht so hochgestochen ist wie es klingt. Einfach ein paar ältere Klamotten einpacken und dazu noch ältere und kaputtere für körperliche Arbeit. Es geht unter anderem in die Firmenzentrale. Bamako Motors wartet.

Doch nun muss ich loslegen.

Haltet die Ohren steif, die Kotflügel da wohin sie gehören und lasst euch reichlich beschenken. Wer mir was gutes tun will schenkt mir bunte Kabelbinder und Gaffatape. WD 40, Kippen oder Bremsenreiniger wären auch eine Option.

Bleibt mir auch im nächsten Jahr gewogen!

Dann mal los!


Da sitze ich nun und starre durch das Fenster auf den Neheimer Dom. Es nieselt und der Himmel ist wolkenverhangen. Manchmal ist es schon lustig wie das Wetter zu meiner Laune passt. Oder ist es umgekehrt? Nein. In diesem Fall nicht. Das Wetter passt zu meiner Laune. Ich bin gar nicht schlecht drauf. Eher gemütlich und gedämpft – heute etwas farblos. Meine Socken sind ausnahmsweise sogar identisch und schwarz. Und aus mir lösen sich im Minutentakt Tröpfchen, die durch den Raum fliegen. Ich bin nämlich gerade im Wartezimmer des Arztes und hab ne dicke Erkältung.

Mangels lesbarer Magazine starre ich nun aus dem Fenster. Meine Gedanken beginnen zu kreisen. Ich denke mir, dass es ja nicht unpraktisch wäre, wenn der Körper Serviceklappen hätte. Dann könnte man defekte Teile einfach austauschen. Ohne große OP. Einfach ein Ersatzteil bei E-Bay ersteigern und vom Nachbarn der Ahnung hat einbauen lassen. Man selbst ist dazu vermutlich nicht in der Lage. Solange schaltet man das Hirn aus. Hat man sich nen Virus eingefangen oder einen Parasiten besorgt man sich ein Antivirus und gut is. Hmm. Aber der Körper wäre dann echt ungemütlich und Hart. Das wäre zumindest bei Frauen schon ein Manko. Frauen müssen sich „gut“ anfühlen. Denn…

In diesem Moment kommt jemand in den Warteraum und begrüßt mich überschwänglich. Was ich denn hier wohl machen würde. Dumme Frage. Krank sein, auf den Doc warten und aus dem Fenster gaffen um dummen Gedankengängen zu folgen. Es handelt sich um eine Mutter aus der Kita. Na super, denke ich mir. Jetzt weiß jeder Bescheid das ich krank bin. Ist ja nu kein Staatsgeheimnis. Aber dann wird man immer darauf angehauen. Ich grüße freundlich zurück, gebe eine knappe Auskunft, frage der Freundlichkeit halber nach, was sie denn nun hat und konzentriere mich wieder auf das Fenster.

Der Nieselregen ist stärker geworden. Diese Sauerländer. An sich sind sie ja ganz nett. Halt Menschen wie überall auf der Welt. Oder zumindest in Deutschland. Nerven tun sie trotzdem bei Zeiten. Neugierig ohne Ende. Gerne am Lästern und Tratschen. Die Offenheit des gebürtigen Sauerländers beschränkt sich, so ist mein Gefühl, lediglich darauf Informationen zu sammeln, welche man gegen einen verwenden kann. Offenheit freundlicher Natur ohne Hintergedanken ist schwerer zu bekommen. Gott sei dank hat sich in den letzten Monaten so einiges aufgeklärt. So das ich die Schuld daran, hier keinen Anschluss zu finden, nicht mehr bei mir suchen muss.

Ein Posten weniger um den Man sich sorgen muss. Ich hab mich mit einigen Leuten unterhalten die auch zugezogen sind. Teilwiese sind es Polen, teilweise Hamburger, auch aus dem Ruhrgebiet so einige. Und allen war gemein, dass man hier nur sehr schwer irgendwo reinkommt. Die verschiedenen Beispiele aufzuzählen spare ich mir, weil es nicht meine Erlebnisse sind. Aber so ist es doch schön, die Gewissheit zu haben, dass egal wie lange man hier ist, man immer ein Außenseiter bleiben wird. Ergo geht man wieder. Wollen wir mal abwarten wann das soweit…

Boing. Ein Patient springt plötzlich auf. Ein Rentner. Wie von der Tarantel gestochen. Er grüßt zum Abschied, schnappt sich im Rennen seinen Schirm und ist verschwunden ehe man „Rentenversicherung“ sagen kann. Für einen Moment glotze ich auf den leeren Stuhl. Dann auf meine Schuhe. Zum Schluss wieder auf das Fenster. Unten im Hof parkt seit Jahren immer an der gleichen Stelle ein New Beetle. Und jedes mal denke ich das gleiche. Wie bekommt man das Ding optisch so hin, dass es meine Augen nicht mehr beleidigt. Ich komme immer zu dem Schluss das ein schönes Feuer oder ein…

 „Herr W. Bitte kommen sie ins Zimmer Nr. 3.“

Oh, ich bin endlich dran. Na dann mal los…

Glocken


Ich hab ja nichts gegen wohlgeformte Glocken. Die sehen echt schön aus. Manchmal auch die größeren Exemplare. Aber wenn die erstmal anfangen zu läuten, ist bei mir alles vorbei. Ich bekomme den Hass.

 

Was denkt sich die katholische Kirche eigentlich? Das ich dankbar dafür bin, das die mich an Sonn- und Feiertagen ungebeten wecken? Fahrt zur Hölle mit eurem Krach. Das hält ja kein Mensch aus. Kaum habe ich vergessen das Fenster zu schließen, zwischen Jalousie und Fenster 5 Kubikmeter Styropor zu stopfen und dann dummerweise auch kein Ohrenstöpsel zur Hand habe, stehe ich aufrecht im Bett wenn da son Kirchenrowdy die Glocken in seinem Riesenphallus anwirft. Wäre das hier nicht so eine verfluchte Kleinstadt würde ich mal mitten in die Messe platzen, Hells Bells anwerfen und ohne Worte wieder gehen. Aber das tut man ja nicht. Statt dessen falle ich immer wieder auf die trügerische Ruhe rein.

 

Das verrückte ist, dass ich das System – was ja offensichtlich vorhanden sein muss – nicht richtig durchschaue. Ich setze mich zum Beispiel Sonntagnachmittags zwischen 16 und 17 Uhr nicht auf den Marktplatz, um ein Spaghettieis zu verputzen. Denn ich weiß: sobald die Bestellung da ist, fängt es an zu bimmeln. Und zwar exakt bis zu dem Zeitpunkt, an dem mein Eis entweder geschmolzen oder vertilgt ist. Beides dauert 20 Minuten. Jaha. Da hab ich gedacht „Sei schlau, geh eher.“

 

Was hab ich davon? Es bimmelt. Offensichtlich machen diese Kirchennazis an manchen Sonntagen noch Extragottesdienste.

 

Ich sehe aber auch nicht ein, wegen der Kirche noch zusätzlich neben dem Wetterbericht (die Rollläden sind ja zu, so sehe ich ja nicht welches Wetter gerade vorherrscht), noch die Gottesdienste zu studieren, damit ich mal in ruhe ein Eis essen kann.

 

Außerdem löst das Studium des Ruhestörungsdienstplanes ja nicht das Problem mit dem Wecken. Da bleibt mir nur die hermetische Abschottung von der Außenwelt. Was schade ist, denn ich mag Tageslicht in vernünftigen Mengen.

 

Die Autos die hier vorbeifahren stören mich nicht. Das ist wie Meeresrauschen für mich. Auch die Menschen welche auf und ab flanieren sind kein Ding. Aber diese Glocken. Ich Frage mich warum das nicht hochoffiziell unter Ruhestörung fällt. Die Spießer hier regen sich über alles auf. Die Hecke ist zu hoch. Das Auto zu dreckig. Die Musik zu laut. Aber die Glocken sind okay? Hmm. Da stimmt doch was nicht im Staate Belgien.

Wunder, oh Wunder


Manchmal wunder ich mich über mich selbst. An sich tue ich das andauernd. In diesem Fall ist es so, dass ich über Monate total antriebslos war. Als dann meine Freundin Schluss gemacht hat, brach anscheinend ein Damm. Plötzlich gehe ich alleine raus und lerne Menschen kennen. Besuche festivalartige Veranstaltungen. Ich finde mich auf coolen Funkpartys mitten im Sauerland wieder. Oder habe einfach nur die Energie einen Großputz in meiner Villa zu machen. Dinge die ich mir vornehme werden neuerdings sogar in die Tat umgesetzt.

All das war in den letzten Monaten vor dem 25 Juli undenkbar. Ich hatte schlicht und einfach keine Lust. Doch nun ist es, wie gesagt, plötzlich so, dass ich was mit meinem Leben anfange und meinen Fokus nicht mehr auf meiner Lebensabschnittsgefährtin richte. Anders kann man ja anscheinend Personen mit denen man eine „Beziehung“ eingeht heutzutage kaum nennen.

Eventuell ist das ein Mechanismus um das ganze zu verarbeiten. Denn ich will nicht behaupten das es mir super damit geht, sitzengelassen worden zu sein. Nach über 3 Jahren. Die Enttäuschung ist noch immer tief verankert. Jedoch: Wenn mein Kopf immer alles so verarbeiten würdetätärätätä, wenn emotionale Missstände vorherrschen, dann wäre ich vermutlich Millionär, weil ich plötzlich richtig ehrgeizig würde. Aber dann wäre ich mir unsympathisch…

Ich hoffe das diese Phase noch länger anhält. Gestern habe ich auch wieder bemerkt wie befriedigend es ist, den Abend in der Garage zu verbringen und ein wenig herumzubasteln. Damals, in den guten alten Zeit in Essen, verliefen viele Tage auf diese Weise. Ich habe Bilder auf Leinwände gepinselt, an meiner Wohnung gebastelt, viel gelesen und geschrieben. Manchmal gab es zwar auch Zeiten in denen ich den Arsch nicht hochbekommen habe aber auch das fand immer ein Ende.

Wollen wir da jetzt mal nicht zu viel drüber nachdenken. Denken macht viel kaputt, habe ich gemerkt. Am besten die Zeit nutzen solange es geht. Apropos geht. Ich geh erstmal in die Garage und repariere meine Curbfeeler. Ein Würfel ist abgefallen…

Best of „MSO“ Teil 1 – Heute: Arnsberg. Die Stadt die Verrückte macht.


Man muss ja nicht immer alles wegwerfen. In loser Reihenfolge gibt es einige Artikel aus meinem alten Blog noch einmal im Schlaraffenland. Viel Spaß damit.

22. September 2010

Ich bin ja letzte Woche mit einem Heldenhaften Sprung vor einem Krankenwagen ausgewichen. Dabei verletzte ich mich. Soweit wisst ihr das ja schon. Am nächsten Tag ging ich ins Krankenhaus, weil mein Fuß immer schlimmer schmerzte und ich nicht mal mehr schlafen konnte. Wie naiv ich doch war.Station 1: Das MSO geht ins Neheimer Krankenhaus. Weil es ja so naheliegend ist. Ich humpele also unter scherzen einmal durch die halbe Stadt (Neheim ist ja nicht besonders groß. Also wars nicht son Problem.) In der Lobby des ultramodernen und sehr schicken Gebäudes (typisch Neheimer Geldadel) sagt mit die freundliche Rezeptionistin, dass es keine Notaufnahme für chirurgische Fälle in Neheim gäbe. „Nehmen sie sich ein Taxi und fahren sie nach Hüsten.“ Toller Tipp. Bin ich ein Anwalt auf Rente, dass ich mir so was leisten kann? Ich muss ja auch wieder zurück. Also wäre alleine die Fahrerei 40 Euro. Und ich hab nur 20 auf der Tasche.Station 2: Ich bin wieder nach hause gehumpelt. Erstmal die Arbeit zum zweiten mal am heutigen Tage anrufen. „Ich kann nicht sagen wie lange ich ausfalle, weil mich hier in Neheim keiner behandeln will! Ich muss irgendwie nach Hüsten kommen. Ich ruf an wenn ich mehr weiß.“ Mangels Kohle bleibt mir nichts andere übrig als den OMMI zu bemühen. Ich wollte ja gar nicht selber fahren. Schon alleine weil der Kuppelfuß so Arsch weh tut.Station 3: Mit Tränen in den Augen komme ich am Hüstener Krankenhaus an. Wo bitte ist der Eingang? Achso. Vom Parkplatz aus 500 Meter südöstlich. Humpel, humpel. „Hallo. Wo ist die Notaufnahme?“ (Inzwischen komme ich mir bei der Frage echt dämlich vor. Denn bei all dem Gerenne hätte ich auch zur Arbeit gekonnt. Hätte genauso weh getan.) Die freundliche Antwort des Pförtners: „500 Meter südwestlich. Am anderen Ende des Gebäudes. Sie erkennen das daran, dass man durch die Fenster den Parkplatz sieht.“

500 Meter später. Eine weitere Rezeption. Ich schildere meine körperlichen Beschwerden wegen denen ich da bin. „Tut mir leid. Chirurgische Fälle können wir nicht behandeln. Wir können sie untersuchen aber zur Weiterbehandlung müssen sie zu einem Arzt für chirurgische Medizin. Der hat auf dem Gelände eine Praxis. Dann müssen sie hier und dort jeweils 10 Euro bezahlen. Wollen sie das?“ Mir platzt die Hutschnur und ich raunze die Tante hinterm Tresen an: „Ich will gar nichts bezahlen. Ich bin verletzt. Ich will behandelt werden und nicht wie Karl Arsch von A nach Z geschickt werden.“ „Beruhigen sie sich. Wenn sie darauf bestehen sehen wir uns das an. Es dauert allerdings etwas.“

Nach einer knapp zweistündigen Wartezeit höre ich meinen Namen. Ein netter Arzt arabischer Abstammung untersucht mich. Macht Notizen und schickt mich erneut in den Warteraum. 30 Minuten später geht’s zum Röntgen. Erst der linke Fuß. Was auch richtig ist. Doch dann will die die zuständige Pflegerin mein linkes Knie durchleuchten. Ich weise sie darauf hin das es das rechte ist. Sie besteht darauf das in der Akte das Linke eingetragen ist. Der Arzt von vorhin wird gerufen. Und der bestätigt seinen Fehler. Komisch. Ich werde ja wohl wissen was mir weh tut. Warum glaubt die mir nicht? Abgesehen davon ist nicht das linke sondern das rechte Knie aufgeschlagen. Was solls…

Zum Schluss gibt es sogar fast so was wie ein Happyend. Der Arzt ist wieder da. Entschuldigt sich für seinen Irrtum und lässt mir von nem Pfleger die betroffenen Stellen bandagieren. Ich habe keine Brüche sondern nur Prellungen (was ich mir aber schon dachte, sonst hätte ich nicht so munter durchs halbe Sauerland tollen können) und die Schmerzmittel lassen mich meine Wunden vergessen. Und ich muss auch nicht zur Weiterbehandlung zum nächsten Arzt. Leider können mir die im Krankenhaus keinen gelben Schein ausstellen. Dafür muss ich am nächsten Tag nochmal zum Hausarzt. Und 10 Euro bezahlen. Arnsberg. Die Stadt die Verrückte macht.

Ansonsten geht es einem ganz neutral.


Das Leben. Ein ewiges Auf und Ab. Streckenweise geht es einem gut und man ist, metaphorisch gesprochen, auf einem Berg (aus positiven Gefühlen). Ein wahrhaftiger Höhenflug sozusagen. Manchmal aber befindet man sich im Jammertal. Das ist kein Ort im Sauerland, auch wenn der Gedanke naheliegt, sondern das Tal der Tränen, in dem es einem wirklich scheiße geht.Naja. Wie auch immer. Ich habe zum Glück meine Wurzeln nicht vergessen. Ich bin Emsländer. Nicht mit Leib und Seele. Jedoch seelisch. Dort ist es bekanntlich topfeben. Und so geht’s mir meistens. Weder schlecht noch gut.
Das ist doch gut – mag man jetzt sagen. Nein, ist es nicht. Auf die Frage „Wie geht’s dir?“ „Mir geht’s neutral“ zu antworten ist schon etwas eigenartig. Zum Glück meint kaum einer, was er sagt, wenn er diese elende Floskel „Wie geht es dir“ verwendet. Man kann also hemmungslos lügen und behaupten, was man will.Das ich mich meistens im emotionalen Emsland befinde, bedeutet aber noch lange nicht, dass ich gefühlskalt bin. Im Gegenteil. Ich bin genauso schnell sauer wie fröhlich. Stimmt auch nicht. Wenn ich ehrlich bin, ist der Weg von Sauer nach Fröhlich beschwerlicher als andersherum. Logisch. Geht ja BERGAUF.

Oh man. Diese ständigen Vergleiche sind echt bescheuert. Warum schreibe ich diesen Quatsch überhaupt? Achja. Ich musste gerade an Sköldpadda denken. Wir beide waren neulich endlich mal wieder zusammen unterwegs. Es ging über Ostern in die nicht so ferne Ferne: Braunschweig. Fragt mich nicht, warum wir ausgerechnet in Braunschweig waren. Das Hotel war aber super. Und die Stadt auch nicht übel. Das Beste war, dass ich mit Sköldpadda da war.

Die Anreise hingegen war an sich total daneben. Ich fahre ja ohnehin nicht gerne Autobahn. Und wenn man das über Ostern macht, ist der Stau vorprogrammiert. Also wäre die Raststätte Jammertal naheliegend gewesen. Wir hatten trotz allem relativen Spaß. Wir saßen in meinem geliebten Ommi, hörten Bob Marley und auf der Heckscheibe stand Folgendes:

Außerdem freuten wir uns auf die gemeinsame Zeit. Ich weiß immer noch nicht, was ich mit all dem sagen will. Aber mal ehrlich: Besser Emsländer als Sauerländer. Hier gibt’s nur Berg und Tal. Im Norden kann man zur Not wenigstens in den Kanal springen oder auf den Kühlturm des AKW Lingen klettern. Ansonsten geht es einem ganz neutral.