Life is white and I am black


Warum macht es eigentlich so viel Spaß zwischendurch mal böse zu sein? Heute auch wieder. Ich hatte einen super Arbeitstag. Die Sonne scheint und der Rückweg geht nur im Schneckentempo voran. Das liegt nicht daran, dass ich im Stau stehe. Der Stau rollt hinter mir. Was mir wiederum völlig wumpe ist.

Ich habe es nicht eilig und es wird bei der Musik auch ordentlich mitgegrölt.. Es läuft gerade „Novocain for the Soul“ von den Eels als ich in eine Seitenstraße abbiege.

Gerade als die Stelle

Life is white
And I am black
Jesus and his lawyer
Are coming back

kommt – und ich richtig in fahrt bin – sehe ich einen Leichenwagen samt Bestatter am Straßenrand. Just bekomme ich einen totalen Lachanfall welcher einfach nicht abebben will. Und auch jetzt, in diesem Moment, muss ich wieder laut bei dem Gedanken an diese Situation kichern.

Ganz schön gemein. Vermutlich lese ich die Tage in der Zeitung, dass sich dort ein Drama abspielte und ich habe dann ein schlechtes Gewissen. Zu meinem Glück lese ich die lokalen Käseblätter nicht.

Anbei noch der Song. Ihr werdet merken das das nicht mal ein „gute Laune Stück“ ist. Trotzdem bekomme ich dabei zumindest immer ein „Wohlfühlkribbeln“.

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Eels - Novocaine for the Soul von FabCure

Bleibt die Frage warum es so viel Spaß macht manchmal politisch und menschlich komplett neben der Spur zu sein.

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Das Schlaraffenland besucht die Kirche


Rückblende: Weihnachten 2010

Ich sitze in der Kirche. Meinem Opa zuliebe. Er ist an den Rollstuhl gefesselt und wünscht sich das ich mit komme. Also gehöre ich zu diesem Pack, welches Jahr für Jahr die Kirche verstopft. Nicht aus dem Glauben an Gott heraus, sondern weil man Weihnachten in die Kirche geht. Das ist nun mal so. Doch dieses Jahr schwöre ich mir, dass es das letzte Mal gewesen sein wird. Die Messe ist wiedereinmal von Anglizismen verseucht. Ständig spricht der an Flanders erinnernde Pastor von „Just for Fun“ und benützt hippe Worte wie „Hip“. Ich schäme mich. Ich habe nichts gegen eine lockere Messe. Aber etwas Würde sollte das ganze schon haben. Nicht weil ich an Gott glaube, sondern Würde für mich zur Show gehört.

Und dann geht es richtig los. „Ich habe habe da was auf Youtube gesehen, was mein Herz berührte.“, verkündete der Pastor. Meine Gesichtszüge entgleisen. Er wird doch nicht? Nein, er wird nicht… In der Kirche hat Youtube nichts verloren. Es ist schon erbärmlich genug, dass Youtube jede Party und jede Konversa… Er spricht weiter: „Das möchte ich ihnen gerne zeigen! Film ab.“ Gezeigt wird ein kitschiger amerikanischer Kirchenfilm in dem es ähnlich zugeht wie in „Jede Zelle meines Körpers ist glücklich“. Kaum auszuhalten. Ich schäme mich Fremd wie zu kaum einem anderen Zeitpunkt in meinem Leben. Hinter mir ruft jemand (und ich bin es echt nicht) „Fernsehgucken kann ich auch zuhause.“ Doch der Pastor zieht es eisern durch… Danach hab ich nicht mehr so recht aufgepasst. Es war einfach peinlich und ich überlegte Katholisch zu werden. Eine Konfession auf dem Papier brauche ich ja für meinen Job…

 Die Gegenwart: Weihnachten 2011

 „Komm schon.“ sagt mein Bruder. „Mir zuliebe.“ „Nein. Auf keinen Fall. Ich möchte mir diesen Kasper nicht antun.“ „Dann für Opa.“ Da ist er wieder. Der Opa. Der alte Mann hat nun wahrlich nicht viel zu lachen in seinem Leben. Kann ich ihm das zumuten nicht mit in die Kirche zu kommen? Ich möchte Menschen die mir lieb sind ungern enttäuschen. Und erst recht nicht den Menschen, welche zusätzlich noch einige Steine zu schleppen haben. Zähneknirschend willige ich also ein.

Da sitzen wir nun erneut in der Kirche. 30 Minuten zu früh, wie immer. Wir haben also einen guten Platz erwischt. Ich stelle erfreut fest, dass dieses mal im Rettungsgang und im Hauptgang keine Stühle wie 2009 aufgebaut sind. Damals schon hielt ich das für eine Todesfalle. Das sage ich auch zu meiner Mutter, welche neben mir sitzt. Wie jedes Jahr.

16:50 – Die Kirche ist rappelvoll. Nun beginnt ein Helfer doch noch Stühle aufzustellen. Und zwar nicht einreihig. Sondern ZWEIREIHIG! So das gar kein durchkommen mehr ist. In meinem von Paranoia durchtränkten Hirn spielen sich die übelsten Katastrophenszenarios ab. Ich hasse die Masse. Ich hasse es eingesperrt zu sein in einem Raum voller Menschen. Selbst unter freiem Himmel bekomme ich schon zuviel, wenn ich meinetwegen auf einem Konzert bin. (Weshalb ich auch nicht auf Konzerte gehe.) Während ich total verkrampft da sitze beginnt der Gottesdienst. „Wir freuen uns, dass auch dieses Jahr so viele Menschen in unsere Kirche gefunden haben.“ Ich brodle. Meine Fäuste verkrampfen sich. „Wir mussten, wie sie sehen, sogar wieder Stühle aufstellen.“

„HOFFENTLICH FÄNGT ES NICHT AN ZU BRENNEN! (mit dem Unterton „Sie Idiot“)“, ruft jemand aus dem Publikum. „Wie bitte?“, fragt der Pastor. Da merke ich, das ich der Störer war. Also noch etwas lauter:

„Ich sagte, H O F F E N T L I C H   F Ä G T   E S    N I C H T    A N  Z U     

B R E N N E N.“

Ein Pause. Ein zustimmendes Gemurmel geht durch die „Gemeinde“. Dann der Pastor „Aber Gott ist doch mit uns.“ Ein „Sie naives, verantwortungsloses Arschloch haben wohl noch nie was von Massenpanik, Loveparade und anderen tollen Dingen gehört.“ liegt mir auf der Zunge. Ich sage aber nichts. Dann geht’s weiter.

Nach zwanzig Minuten der absoluten Ausweglosigkeit kommt dann der zweite Knüller des Abends. „Ich möchte ihnen ein Lied mitgeben. Ein Stern der deinen Namen Tragt von Dj. Ötzi.“ Bitte was?!?!?! Ich bin voll dabei. Ich fragte mich nämlich schon wie er die Pein vom letzten mal toppen wollte. „Technik. Spielen sie das Lied doch bitte mal an!“ Die Technik versagt. Ich mache drei Kreuze. Erlöst bin ich trotzdem nicht. Nachdem er das Lied auseinanderklabüstert und Moralisch durchaus nachvollziehbare Schlüsse zieht (das muss ich ihm wirklich lassen!) beließ er es nicht dabei und gab dem Organisten den Auftrag das Lied zu spielen. Der Text wird an die Leinwand projiziert. Und die Gemeinde singt leiernd mit. Zumindest einige.

Und ich sitze im wahrsten sinne des Wortes zwischen den Stühlen: Komme ich nächstes Jahr wieder mit oder bleibe ich zuhause? Ich meine, wenn da etwas passiert und meine Familie getötet wird – und das an Heiligabend – dann könnte ich mir das nicht verzeihen. Aber will ich mir diesen RTL2 Pastor allen ernstes nochmal antun und einen Hirnschlag riskieren? Ich weiß es nicht. Vermutlich siegt ohnehin mein schlechtes Gewissen.

Frohe Weihnachten euch allen.

Glocken


Ich hab ja nichts gegen wohlgeformte Glocken. Die sehen echt schön aus. Manchmal auch die größeren Exemplare. Aber wenn die erstmal anfangen zu läuten, ist bei mir alles vorbei. Ich bekomme den Hass.

 

Was denkt sich die katholische Kirche eigentlich? Das ich dankbar dafür bin, das die mich an Sonn- und Feiertagen ungebeten wecken? Fahrt zur Hölle mit eurem Krach. Das hält ja kein Mensch aus. Kaum habe ich vergessen das Fenster zu schließen, zwischen Jalousie und Fenster 5 Kubikmeter Styropor zu stopfen und dann dummerweise auch kein Ohrenstöpsel zur Hand habe, stehe ich aufrecht im Bett wenn da son Kirchenrowdy die Glocken in seinem Riesenphallus anwirft. Wäre das hier nicht so eine verfluchte Kleinstadt würde ich mal mitten in die Messe platzen, Hells Bells anwerfen und ohne Worte wieder gehen. Aber das tut man ja nicht. Statt dessen falle ich immer wieder auf die trügerische Ruhe rein.

 

Das verrückte ist, dass ich das System – was ja offensichtlich vorhanden sein muss – nicht richtig durchschaue. Ich setze mich zum Beispiel Sonntagnachmittags zwischen 16 und 17 Uhr nicht auf den Marktplatz, um ein Spaghettieis zu verputzen. Denn ich weiß: sobald die Bestellung da ist, fängt es an zu bimmeln. Und zwar exakt bis zu dem Zeitpunkt, an dem mein Eis entweder geschmolzen oder vertilgt ist. Beides dauert 20 Minuten. Jaha. Da hab ich gedacht „Sei schlau, geh eher.“

 

Was hab ich davon? Es bimmelt. Offensichtlich machen diese Kirchennazis an manchen Sonntagen noch Extragottesdienste.

 

Ich sehe aber auch nicht ein, wegen der Kirche noch zusätzlich neben dem Wetterbericht (die Rollläden sind ja zu, so sehe ich ja nicht welches Wetter gerade vorherrscht), noch die Gottesdienste zu studieren, damit ich mal in ruhe ein Eis essen kann.

 

Außerdem löst das Studium des Ruhestörungsdienstplanes ja nicht das Problem mit dem Wecken. Da bleibt mir nur die hermetische Abschottung von der Außenwelt. Was schade ist, denn ich mag Tageslicht in vernünftigen Mengen.

 

Die Autos die hier vorbeifahren stören mich nicht. Das ist wie Meeresrauschen für mich. Auch die Menschen welche auf und ab flanieren sind kein Ding. Aber diese Glocken. Ich Frage mich warum das nicht hochoffiziell unter Ruhestörung fällt. Die Spießer hier regen sich über alles auf. Die Hecke ist zu hoch. Das Auto zu dreckig. Die Musik zu laut. Aber die Glocken sind okay? Hmm. Da stimmt doch was nicht im Staate Belgien.