Und: Action!


In den 90ern und frühen 00ern kamen viele übertrieben bunte „Actionknaller“. Aber ein ganz besonderes Leckerli ist ja nach wie vor das 2000er Machwerk „Mission: Impossible 2“. Von dem damals hoch gefeierten John Woo. Dieser Film passt perfekt in seine Zeit. Eine Zeit, als Lora Croft den Verstand des Zuschauers beleidigte und drei Engel für Charlie als fleischgewordene und äußerst brutale PowerPuffGirlsMafia auftraten. Nichts gegen die Power Puff Girls. Aber gegen diesen Scheiß.

Diese komplett überzogene Action ist selbst für mich zu viel des Guten. Und ich bekenne folgendes:

Ich schaue mir gerne Filme an in denen Dinge explodieren, smarte Typen böse smarte Typen abknallen und coole Verfolgungsjagden ein Highlight sind.

Nur hat man damals alles einen Ticken (oder auch drei bis vier) zu bunt, zu schnell, zu choreographiert gemacht. Das gibt es heute in Form von „Transformers“ und „die schnellen und furiosen (Typen aus LA und vom FBI, die extrem gut Autofahren können)“ auch noch. Aber selbst diese beiden Beispiele schaffen es durchaus zu unterhalten, wenn man die Filme nicht zu ernst nimmt. Denn als Zuschauer fühlt man sich durchaus ernst genommen. Es ist zwar alles Quatsch was dort gezeigt wird. Aber die meisten Szenen sind relativ schlüssig. Es explodieren auch immer noch Autos. Aber nicht weil der Hauptprotagonist zufällig in die Richtung des Autos guckt. Ich krame einfach noch mal M:i-2 hervor um zu verdeutlichen was ich meine:

Herr Woo hat eine Vorliebe für Zeitlupensequenzen. Was ziemlich gemein ist. Während der Bösewicht in normaler Geschwindigkeit rennen darf, muss Hunt gaaaanz langsam und gemächlich den Killervirus vernichten. Macht sich zwischendurch noch Gedanken welche Tapete besser ins Wohnzimmer passt und wundert sich nach 10 Minuten Träumerei, dass auf mal der Bösewicht neben ihm steht und seine Schnalle erschießen will. Mit der natürlich beide Intimkontakte pflegen.

So geht das Szene um Szene. Dann flattern da noch überall Tauben durchs Bild, welche den künstlerischen Ansatz unterstreichen sollen. Natürlich flattern die Viecher ebenfalls in Zeitlupe.

Die total langweiligen Verfolgungsjagden sind ebenfalls eine Zumutung. Langweilig? Das passiert doch so einiges. Genau das ist das Problem. John Woo verwechselt Musical mit Actionfilm. Er lässt die Moppeds regelrecht miteinander Tanzen. Und es ist nicht ersichtlich warum das geschieht. Es geschieht einfach. Mal fliegt das rote über das schwarze. In der nächsten Einstellung macht das schwarze einen Burnout und das rote fährt rückwärts eine Mauer hoch. Dabei ist Woo sehr visionär. Denn die Mofas zeigen Ansätze von Transformertechnologie. Fahren sie über Sand haben sie grobstollige Reifen, auf der Straße Straßenbereifung und auf Holz Regenreifen.

Herr Who macht sich auch gar nicht die Mühe diese offensichtlichen Patzer zu verbergen. Nein. Zum Einsatz kommt wieder seine Zeitlupe.

Und in dieser Zeitlupe gibt es noch eine Extraeinstellung auf die Reifen, in welcher selbst der letzte Depp erkennt dass da was nicht stimmt.

Wer über modernes Actionkino meckert soll sich einfach mal 10 Jahre in die Vergangenheit bewegen und das Blockbusterkino von damals einschalten. Ein gutes Beispiel ist der vierte Abklatsch von Mission: Unmöglich. Der ist nämlich gar nicht soooo schlecht. Besonders im Vergleich zu den Vorgängern.

Fazit:

Ich kann an sich gar nicht in Worte fassen wie sehr ich diese Nachtgeburten der 90er verachte. Filme die im Vergleich selbst Octoshark vs. Monstercrok zum ARTEtauglichen Autorenfilm hochstilisieren können.

PS: Wie sehr M:i-2 90er ist sieht man im Abspann: Der ist in stilvollem Comic Sans gehalten und mit Metallica unterlegt.

 

Advertisements

Ein gelungener Abend


Gelbe Buchstaben spiegeln sich auf dem nassen Asphalt des zugigen Parkplatzes. Ich ziehe mir meine Kapuze über und trotte Richtung Eingang. Man muss sich Zeit lassen. Die Zigarette will nicht so hastig geraucht werden. Mir steht mindestens eine Stunde ohne Nikotin bevor.

Langsam hebe ich meinen Blick und schaue an dem riesigen Komplex hoch. Erst Glas, dann die Leuchtreklame, dann blau lackierte Aluminiumverschalung. Ich mache mir Mut: „Jetzt bin ich hier schon hingefahren. Dann muss ich auch reingehen.“ Ich lasse den Rest meine Zichte fallen, welche zischend in einer Pfütze landet und begebe mich ins Paradies für Familienmütter und frisch gebackene Studenten. Man, fand ich den Laden mal geil.

Mir ging es mal so: Die erste eigene Wohnung. Die ersten eigenen Möbel. Als ich meine zweite Wohnung bezog hab ich sogar aufgegeben auf einer Matratze auf der Erde zu schlafen. Man Arbeitete inzwischen. Und da konnte man ich dekadente Dinge wie ein 220×90 cm großes Bett plötzlich leisten. Also tat man das auch. Ich erinnere mich genau wie ich auf den Betten in der Ausstellung herumgehüpft bin und  den Rüttel- und Schütteltest gemacht habe. Das letzte was ich wollte, war ein quietschendes Bett oder eines was schnell auseinander bricht. Oder eines, welches dauernd an die Wand schlägt. Und fündig wurde ich sogar bei einem Bett, welches zu meiner restlichen Einrichtung passte. Das war damals. Nun ist Heute.

Ich bin hier weil es mich nervt, dass die gelesenen Bücher inzwischen Türme bilden. Ich brauche neue Ablagemöglichkeiten. Und dafür ist der Laden ja bekannt. Außerdem wollte ich mir noch ein oder zwei Teppiche holen, weil meine Wohnung komplett gefliest ist.

Schlendernd und probesitzend bewege ich mich durch die Ausstellung. Ist ja alles so schön bunt hier. Das gefällt mir. Letztes oder vorletztes Jahr war auf einmal alles blau und gediegen. Das fand ich zum kotzen. Ich liebe schreiende Farben.

Inzwischen bin ich im Untergeschoss angekommen. Ich habe mir den Einkaufswagen mit zwei Langflooreppichen gefüllt. Außerdem noch schönes grünes Bettzeug und die Taschen voller Zettel. Auf den Zetteln die Abholkoordinaten für verschiedene Regale. Unter anderem ein sehr schönes Wandregal. Ganz schlicht und weiß mit Acrylglasschiebetüren und einem feuerroten Innenraum. Sehr cool und passt wie immer zum Rest. Das sollte wie aus einem Guss in meiner Bude wirken.

Langsam schiebe ich den Einkaufswagen. Mein Blick wandert auf die Auswahl im geräderten Drahtkorb. Dann bleibe ich stehen. Brauche ich den Scheiß wirklich? Nach drei Monaten bilden meine Bücher ohnehin neue Türme. Und die Teppiche? Und das Bettzeug? Letzteres war doch eh nicht eingeplant?!?! Ich setze mich auf eine Bank. Starre auf den Wagen. In mir beginnt ein Feuer zu brennen. Erst eine Flamme. Dann ein richtiges Inferno. Was zur Hölle mache ich hier? Was ich brauche besitze ich. Und was ich nicht habe –  aber brauche –  kann ich mir nicht kaufen. Gib dein Geld lieber für was sinnvolles aus. Zigaretten zum Beispiel. Oder Kuchen.

Ich stehe auf. Der Wagen bleibt stehen. Ich bewege mich auf die Kassen zu. Kurz darauf liegen sie hinter mir. Das Kühlregal. Ich greife hinein und ziehe zwei Mandeltorten heraus. Die brauchst du. Das ist Verbrauchsmaterial.  Bezahlt. Ab nach hause. Und vor der Tür liegt einer der letzten Wünsche die ich noch hatte und man mit Geld kaufen kann. Ein Päckchen gefüllt mit einer Spiegelreflexkamera. Geil. Ich gehe in die Wohnung, räume ein wenig auf und finde im Zipfel einer Gummibärchenpackung einen einsamen grünen Bären. Ausgerechnet ein grüner. Die mit Apfelgeschmack sind die besten. Freudig erregt knabbere ich das Gummitier und packe die Kamera aus. Und jetzt freue ich mich auf meinen Kuchen. Ein gelungener Abend.