Best of “MSO” Teil 6 – Heute: KLONK


Dieser Oldie passt perfekt zum Wetter dort draußen. Don’t waste the waste!

11. März 2010
Frühdienst. Da muss man zwar unglaublich früh raus, kann aber mittags nach hause! Das wird ein toller Tag! Alles beginnt wie jeden Morgen. Ich verlasse die Wohnung, knalle ohne abzuschließen die Tür hinter mir zu, damit die Mitmieter auch wissen, dass ich wech bin.
 Ich hab wirklich gute Laune. Warum auch nicht? Die Sonne scheint und draußen ist es trotz der Minusgrade wärmer als in meinem Bad. Und dort war es schon klasse, weil die heutige Ausgabe des Spiegelbildes nicht ganz so abstoßend war wie sonst.Ich stehe also vor dem Haus und träller „play that funky music“. Die Sonne wärmt meine Haut ich gehe weiter, schließe dabei die Augen und genie… platsch. Scheiße. Ja alles hat zwei Seiten. Schmelzwasser…Na geil.
Jetzt hab ich nen nassen Schuh und ne nasse Socke. Und das nach 5 Metern. Kein neuer Rekord, aber ärgerlich. Ich schmunzle und gehe zum Wagen. Man, wie er in der Sonne glänzt. Gestern habe ich den Ommi ja auch frisch gewaschen. Schon für diesen Anblick hat es sich gelohnt. Schlüssel rein. Oh, geht schwer. Die Zentrifugalverriegelung öffnet sich aber mit einem hörbaren „Tschack“. Radio an, WOW, Night Train läuft gerade.
Hehe.So, Tür zu und los. KLONK. Moment – Klonk?? Das macht sonst FOPTSCHAK und nicht KLONK. Klonk ist nicht gut. Nur so aus Spaß will ich ausprobieren ob die Tür das Geräusch nochmal macht, wenn ich sie erneut öffne und schließe. Macht sie aber nicht. Denn sie öffnet sich nicht mehr! Verdammt! Ich hab ja schon so einiges gehört. Aber noch nie, das einer in seinem Wagen festsaß, weil die Türmechanik blitzgefror! Ich probiere die Beifahrertür. Auch blockiert. Wie das geht weiß ich nicht, aber es geht. Tolle Wurst.
Intelligenter weise habe ich ja immer Schlossenteiser IM Auto. Ich wusste immer das sich das irgendwann auszahlen würde.Quiiik, quiiiik, quiiiik. Scheibe runtergekurbeln zum Takt von James Brown. Gaaaaaaaanz lässig den Arm raus gelegt, als wäre es ein schöner Sommertag und unauffällig etwas Enteiser ins Schloss getröpfelt. Einwirken lassen, Motor gestartet und so getan als würde ich ihn warmlaufen lassen. Knopf rauf und runter gedrückt. Türöffner betätigt. NIX! Nichtmal ein widerstand zu spüren. SCHEIßE. F****K, HIMMEL ARSCH UND LAPALOMA!
Oh man! In 5 Minuten muss ich da sein. Zum Laufen ist es zu spät. Also Pedal zum Metall und mal gucken was ich mache wenn ich in der KITA bin. Wird bestimmt ein toller Anblick wenn ich nach hinten kletter um die Fondtür zu nutzen. Aber wer sagt das die funktioniert? Inzwischen geht mir auf, dass ich vor der eigentlichen Waschanlagenfahrt am Vortag die Fugen und alle Dichtungen mit dem Hochdruckstrahler gereinigt habe. Das wird der Grund gewesen sein. 4 Minuten später bin ich auch schon da. Wagen parken. Gebe ich der Tür noch eine Chance? Ja. Augen zugekniffen, Zähne zusammengebissen und laaangsam am Öffner gezogen uuuund …..

Klack. KLACK! JAWOLL! Danke Ommi! Der Tag beginnt. Und dieser ist soweit recht ereignislos.

Bis zum Mittagessen. Machen wir es kurz. Ich packe gerade Reis, Hühnergeschnetzeltes und so weiter in die Schüsseln. All das wird aufs Tablett geräumt und los geht’s. Zur Fütterungszeit muss alles schnell gehen. Also lege ich einen Zahn zu und eile die lange, gewundene Treppe des etwas exzentrischen Baus nach oben, als ich mir mal wieder selbst im Weg stehe. Fuß und Stufe haben Feindkontakt, mein Kadaver kippt nach vorn, meine Augen werden größer und die überschwappende, doch zum Glück nur lauwarme Sauce überdeckt jedes einzelne Kleidungsstück in Sekundenbruchteilen. „OH NEIN! SO EINE SAUEREI.“ entfährt es meinem, im Kindergartenmodus befindlichen Fluchzentrum. Nach der Treppenreinigung hatte ich dann Gnadenfeierabend und konnte ne halbe Stunde eher gehen. Dreckig und Stinkend wollte ich nur noch nach Hause. Den Vorfall am Morgen hatte ich schon ganz vergessen als ich den Schlüssel ins Schloss der Autotür steckte. KLONK.

Ein gelungener Abend


Gelbe Buchstaben spiegeln sich auf dem nassen Asphalt des zugigen Parkplatzes. Ich ziehe mir meine Kapuze über und trotte Richtung Eingang. Man muss sich Zeit lassen. Die Zigarette will nicht so hastig geraucht werden. Mir steht mindestens eine Stunde ohne Nikotin bevor.

Langsam hebe ich meinen Blick und schaue an dem riesigen Komplex hoch. Erst Glas, dann die Leuchtreklame, dann blau lackierte Aluminiumverschalung. Ich mache mir Mut: „Jetzt bin ich hier schon hingefahren. Dann muss ich auch reingehen.“ Ich lasse den Rest meine Zichte fallen, welche zischend in einer Pfütze landet und begebe mich ins Paradies für Familienmütter und frisch gebackene Studenten. Man, fand ich den Laden mal geil.

Mir ging es mal so: Die erste eigene Wohnung. Die ersten eigenen Möbel. Als ich meine zweite Wohnung bezog hab ich sogar aufgegeben auf einer Matratze auf der Erde zu schlafen. Man Arbeitete inzwischen. Und da konnte man ich dekadente Dinge wie ein 220×90 cm großes Bett plötzlich leisten. Also tat man das auch. Ich erinnere mich genau wie ich auf den Betten in der Ausstellung herumgehüpft bin und  den Rüttel- und Schütteltest gemacht habe. Das letzte was ich wollte, war ein quietschendes Bett oder eines was schnell auseinander bricht. Oder eines, welches dauernd an die Wand schlägt. Und fündig wurde ich sogar bei einem Bett, welches zu meiner restlichen Einrichtung passte. Das war damals. Nun ist Heute.

Ich bin hier weil es mich nervt, dass die gelesenen Bücher inzwischen Türme bilden. Ich brauche neue Ablagemöglichkeiten. Und dafür ist der Laden ja bekannt. Außerdem wollte ich mir noch ein oder zwei Teppiche holen, weil meine Wohnung komplett gefliest ist.

Schlendernd und probesitzend bewege ich mich durch die Ausstellung. Ist ja alles so schön bunt hier. Das gefällt mir. Letztes oder vorletztes Jahr war auf einmal alles blau und gediegen. Das fand ich zum kotzen. Ich liebe schreiende Farben.

Inzwischen bin ich im Untergeschoss angekommen. Ich habe mir den Einkaufswagen mit zwei Langflooreppichen gefüllt. Außerdem noch schönes grünes Bettzeug und die Taschen voller Zettel. Auf den Zetteln die Abholkoordinaten für verschiedene Regale. Unter anderem ein sehr schönes Wandregal. Ganz schlicht und weiß mit Acrylglasschiebetüren und einem feuerroten Innenraum. Sehr cool und passt wie immer zum Rest. Das sollte wie aus einem Guss in meiner Bude wirken.

Langsam schiebe ich den Einkaufswagen. Mein Blick wandert auf die Auswahl im geräderten Drahtkorb. Dann bleibe ich stehen. Brauche ich den Scheiß wirklich? Nach drei Monaten bilden meine Bücher ohnehin neue Türme. Und die Teppiche? Und das Bettzeug? Letzteres war doch eh nicht eingeplant?!?! Ich setze mich auf eine Bank. Starre auf den Wagen. In mir beginnt ein Feuer zu brennen. Erst eine Flamme. Dann ein richtiges Inferno. Was zur Hölle mache ich hier? Was ich brauche besitze ich. Und was ich nicht habe -  aber brauche -  kann ich mir nicht kaufen. Gib dein Geld lieber für was sinnvolles aus. Zigaretten zum Beispiel. Oder Kuchen.

Ich stehe auf. Der Wagen bleibt stehen. Ich bewege mich auf die Kassen zu. Kurz darauf liegen sie hinter mir. Das Kühlregal. Ich greife hinein und ziehe zwei Mandeltorten heraus. Die brauchst du. Das ist Verbrauchsmaterial.  Bezahlt. Ab nach hause. Und vor der Tür liegt einer der letzten Wünsche die ich noch hatte und man mit Geld kaufen kann. Ein Päckchen gefüllt mit einer Spiegelreflexkamera. Geil. Ich gehe in die Wohnung, räume ein wenig auf und finde im Zipfel einer Gummibärchenpackung einen einsamen grünen Bären. Ausgerechnet ein grüner. Die mit Apfelgeschmack sind die besten. Freudig erregt knabbere ich das Gummitier und packe die Kamera aus. Und jetzt freue ich mich auf meinen Kuchen. Ein gelungener Abend.

Ein Kreuz…


*Achtung Satire*

… mit den Kreuzfahrern. Ihr habt es ja sicherlich alle gehört. Der Untergang der „Costa Concordia“. Ich warte jetzt schon auf den großen RTL Zweiteiler der innerhalb der nächsten drei bis 24 Monate ausgestrahlt werden dürfte. Ist ja in den letzten Jahren Trend gewesen, derlei Ereignisse zu „TV-Events“ auszuschlachten. Ich meine, diese „Katastrophe“ bietet alles was das Herz begerht. Die Traumschiffromantik, Mittelmeerflair, inkompetente Menschen am Ruder und Tote.

Das dabei Menschen zu Tode kamen ist natürlich eine Tragödie. Aber es starben ja nicht nur Menschen. Nein, viel schlimmer. Denn: Son dreckiger Franzose interessiert hier doch keine Sau. Und so mancher Gast, der mit dem Service bei der Evakuierung unzufrieden war ist sicherlich froh, dass der eine oder andere Asiate aus der Crew an Board blieb (anders als der Kapitän, der zusammen mit den Ratten das Schiff als erster verlassen hat). Es kamen aber eben nicht nur Menschen um. Nein! Sogar deutsche Mitbürger sollen unter den Opfern sein. So eine Frechheit. Und gleichzeitig für die Bild und alle anderen Medien soooooo schön.

Da wird es ihnen gleich warm um die Brieftasche. Das ganze wäre keinen Fliegenschiss wert gewesen, wenn da jetzt Amis draufgegangen wären. Aber DEUTSCHE? WAU! Jetzt mal echt. Wenn das keine Schlagzeile (in tausendfacher Ausführung) wert ist.

Herzlichen Glückwunsch an Springer, RTL und den ganzen Rest.

Aber das ist ja alles so garnicht amüsant. Darum nun: Musik.

Best of “MSO” Teil 5 – Heute: Mittagspausen


Man Muss ja nicht immer alles wegwerfen. Wie immer gibt es einen meiner Lieblingsartikel von meinem alten Blog.
21. August 08, Essen City
Das MySpaceOpfer nascht gerne. Und so geht es eines Tages während der Mittagspause die Straße hinunter und knabbert an einem Donut mit Schokoglasur herum. Dieser schmeckt dem M.S.O. vorzüglich und so vertilgt es den Donut mit Haut und Haaren. Natürlich hat es sich danach wie immer unter Generalverdacht, sich selber beschmiert zu haben. Und da es jeder eventuellen Peinlichkeit in Verbindung mit Schokoflecken im Gesicht umgehen will, spricht es einen freundlich blickenden Herrn an der Haltestelle an, seiner Hautfarbe nach vermutlich aus Afrika stammend. „Entschuldigen sie.“ sagt das MySpaceOpfer. „Habe ich so braune Flecken im Gesicht? Hab gerade Schokolade gegessen!“ Es grinst sein Gegenüber dümmlich an. Doch der Mann, gerade noch fröhlich, erstarrt zunächst. Dann fallen seine Mundwinkel ins Bodenlose und der Blick verfinstert sich zu einer Gewitterfront. „Sag mal, willst du mich verarschen, du Fascho? Ich hoffe für dich, dass du das gerade nicht so gemeint hast wie es sich angehört hat!“ Dem MySpaceOpfer wird sein Fehler bewusst. Es läuft rot an, beginnt eine Entschuldigung dahinzuplappern, macht dadurch aber nur alles noch Schlimmer. Es hat das Gefühl im Boden versinken zu müssen und Verschwindet dorthin wo es herkam. Die Mittagspause ist vorbei.
Aus der Sicht des 2012er MSO: Manchmal hat es durchaus Nachteile, dass einem das Äußere eines Menschen egal ist und man sich nicht immer was dabei denkt…

Das Schlaraffenland besucht die Kirche


Rückblende: Weihnachten 2010

Ich sitze in der Kirche. Meinem Opa zuliebe. Er ist an den Rollstuhl gefesselt und wünscht sich das ich mit komme. Also gehöre ich zu diesem Pack, welches Jahr für Jahr die Kirche verstopft. Nicht aus dem Glauben an Gott heraus, sondern weil man Weihnachten in die Kirche geht. Das ist nun mal so. Doch dieses Jahr schwöre ich mir, dass es das letzte Mal gewesen sein wird. Die Messe ist wiedereinmal von Anglizismen verseucht. Ständig spricht der an Flanders erinnernde Pastor von „Just for Fun“ und benützt hippe Worte wie „Hip“. Ich schäme mich. Ich habe nichts gegen eine lockere Messe. Aber etwas Würde sollte das ganze schon haben. Nicht weil ich an Gott glaube, sondern Würde für mich zur Show gehört.

Und dann geht es richtig los. „Ich habe habe da was auf Youtube gesehen, was mein Herz berührte.“, verkündete der Pastor. Meine Gesichtszüge entgleisen. Er wird doch nicht? Nein, er wird nicht… In der Kirche hat Youtube nichts verloren. Es ist schon erbärmlich genug, dass Youtube jede Party und jede Konversa… Er spricht weiter: „Das möchte ich ihnen gerne zeigen! Film ab.“ Gezeigt wird ein kitschiger amerikanischer Kirchenfilm in dem es ähnlich zugeht wie in „Jede Zelle meines Körpers ist glücklich“. Kaum auszuhalten. Ich schäme mich Fremd wie zu kaum einem anderen Zeitpunkt in meinem Leben. Hinter mir ruft jemand (und ich bin es echt nicht) „Fernsehgucken kann ich auch zuhause.“ Doch der Pastor zieht es eisern durch… Danach hab ich nicht mehr so recht aufgepasst. Es war einfach peinlich und ich überlegte Katholisch zu werden. Eine Konfession auf dem Papier brauche ich ja für meinen Job…

 Die Gegenwart: Weihnachten 2011

 „Komm schon.“ sagt mein Bruder. „Mir zuliebe.“ „Nein. Auf keinen Fall. Ich möchte mir diesen Kasper nicht antun.“ „Dann für Opa.“ Da ist er wieder. Der Opa. Der alte Mann hat nun wahrlich nicht viel zu lachen in seinem Leben. Kann ich ihm das zumuten nicht mit in die Kirche zu kommen? Ich möchte Menschen die mir lieb sind ungern enttäuschen. Und erst recht nicht den Menschen, welche zusätzlich noch einige Steine zu schleppen haben. Zähneknirschend willige ich also ein.

Da sitzen wir nun erneut in der Kirche. 30 Minuten zu früh, wie immer. Wir haben also einen guten Platz erwischt. Ich stelle erfreut fest, dass dieses mal im Rettungsgang und im Hauptgang keine Stühle wie 2009 aufgebaut sind. Damals schon hielt ich das für eine Todesfalle. Das sage ich auch zu meiner Mutter, welche neben mir sitzt. Wie jedes Jahr.

16:50 – Die Kirche ist rappelvoll. Nun beginnt ein Helfer doch noch Stühle aufzustellen. Und zwar nicht einreihig. Sondern ZWEIREIHIG! So das gar kein durchkommen mehr ist. In meinem von Paranoia durchtränkten Hirn spielen sich die übelsten Katastrophenszenarios ab. Ich hasse die Masse. Ich hasse es eingesperrt zu sein in einem Raum voller Menschen. Selbst unter freiem Himmel bekomme ich schon zuviel, wenn ich meinetwegen auf einem Konzert bin. (Weshalb ich auch nicht auf Konzerte gehe.) Während ich total verkrampft da sitze beginnt der Gottesdienst. „Wir freuen uns, dass auch dieses Jahr so viele Menschen in unsere Kirche gefunden haben.“ Ich brodle. Meine Fäuste verkrampfen sich. „Wir mussten, wie sie sehen, sogar wieder Stühle aufstellen.“

„HOFFENTLICH FÄNGT ES NICHT AN ZU BRENNEN! (mit dem Unterton „Sie Idiot“)“, ruft jemand aus dem Publikum. „Wie bitte?“, fragt der Pastor. Da merke ich, das ich der Störer war. Also noch etwas lauter:

„Ich sagte, H O F F E N T L I C H   F Ä G T   E S    N I C H T    A N  Z U     

B R E N N E N.“

Ein Pause. Ein zustimmendes Gemurmel geht durch die „Gemeinde“. Dann der Pastor „Aber Gott ist doch mit uns.“ Ein „Sie naives, verantwortungsloses Arschloch haben wohl noch nie was von Massenpanik, Loveparade und anderen tollen Dingen gehört.“ liegt mir auf der Zunge. Ich sage aber nichts. Dann geht’s weiter.

Nach zwanzig Minuten der absoluten Ausweglosigkeit kommt dann der zweite Knüller des Abends. „Ich möchte ihnen ein Lied mitgeben. Ein Stern der deinen Namen Tragt von Dj. Ötzi.“ Bitte was?!?!?! Ich bin voll dabei. Ich fragte mich nämlich schon wie er die Pein vom letzten mal toppen wollte. „Technik. Spielen sie das Lied doch bitte mal an!“ Die Technik versagt. Ich mache drei Kreuze. Erlöst bin ich trotzdem nicht. Nachdem er das Lied auseinanderklabüstert und Moralisch durchaus nachvollziehbare Schlüsse zieht (das muss ich ihm wirklich lassen!) beließ er es nicht dabei und gab dem Organisten den Auftrag das Lied zu spielen. Der Text wird an die Leinwand projiziert. Und die Gemeinde singt leiernd mit. Zumindest einige.

Und ich sitze im wahrsten sinne des Wortes zwischen den Stühlen: Komme ich nächstes Jahr wieder mit oder bleibe ich zuhause? Ich meine, wenn da etwas passiert und meine Familie getötet wird – und das an Heiligabend – dann könnte ich mir das nicht verzeihen. Aber will ich mir diesen RTL2 Pastor allen ernstes nochmal antun und einen Hirnschlag riskieren? Ich weiß es nicht. Vermutlich siegt ohnehin mein schlechtes Gewissen.

Frohe Weihnachten euch allen.

Kippen, Tapes, die Straße und Weihnachten


WOW! Ich hab das Weihnachtsfeeling. Hätte nicht gedacht, dass ich das dieses Jahr noch so ausgeprägt bekomme.

Allerdings nicht wegen der Geschenke. Ich bin mir nicht mal sicher, ob ich welche bekomme. Aber scheiß drauf. Ich freue mich viel mehr darauf aufzubrechen. Abgesehen davon ist es dunkel und kalt. Von Minute zu Minute zieht der Himmel mehr zu. Total geil und das ORIGINAL Emsland Weihnachtswetter – wie man es aus seiner Kindheit kennt. Ohne Schnee. Dafür mit faustgroßen Regentropfen! Und ich bin noch im Sauerland, wo Schnee im Winter die Regel ist. Wie geil wird das dann erst im Emsland? Es könnte am 25. dann noch so was von Frieren, dass die ganze Gegend komplett von einem weißen Eispanzer überwuchert wird. Und fertig wäre Weihnachten 1984 bis 2006.

Ich steigre meine Vorfreude gerade dadurch, dass ich ein neues Tape aufnehme. Seite A mit tollen neuen Liedern, welche mein Leben in den letzten Monaten bereichert haben und Seite B mit ollen Kamellen aus der guten alten Zeit. Dass ist das, wofür dieses Jahr Weihnachten steht. Tradition und Neues. Ich bin gespannt.

Allerdings muss ich immer noch packen. Ich muss zum Beispiel an mein Handyladegerät denken. Das hab ich im letzten Jahr nie gebraucht, weil ich entweder nicht lange genug weg gewesen wäre um es zu benötigen oder mich in einem Umfeld aufhielt, in dem es Telefone und Internet im Überfluss gab. Doch nun bin ich endlich mal wieder on the Road. Und der ADAC will ja auch angerufen werden können. Wollen wir mal nicht hoffen, dass das eintritt.

Außerdem noch meine MAD MAX Sammelbox, die Geschenke, Digicam + Ladegerät und Klamotten für verschiedene Anlässe. Was aber nicht so hochgestochen ist wie es klingt. Einfach ein paar ältere Klamotten einpacken und dazu noch ältere und kaputtere für körperliche Arbeit. Es geht unter anderem in die Firmenzentrale. Bamako Motors wartet.

Doch nun muss ich loslegen.

Haltet die Ohren steif, die Kotflügel da wohin sie gehören und lasst euch reichlich beschenken. Wer mir was gutes tun will schenkt mir bunte Kabelbinder und Gaffatape. WD 40, Kippen oder Bremsenreiniger wären auch eine Option.

Bleibt mir auch im nächsten Jahr gewogen!

Dann mal los!


Da sitze ich nun und starre durch das Fenster auf den Neheimer Dom. Es nieselt und der Himmel ist wolkenverhangen. Manchmal ist es schon lustig wie das Wetter zu meiner Laune passt. Oder ist es umgekehrt? Nein. In diesem Fall nicht. Das Wetter passt zu meiner Laune. Ich bin gar nicht schlecht drauf. Eher gemütlich und gedämpft – heute etwas farblos. Meine Socken sind ausnahmsweise sogar identisch und schwarz. Und aus mir lösen sich im Minutentakt Tröpfchen, die durch den Raum fliegen. Ich bin nämlich gerade im Wartezimmer des Arztes und hab ne dicke Erkältung.

Mangels lesbarer Magazine starre ich nun aus dem Fenster. Meine Gedanken beginnen zu kreisen. Ich denke mir, dass es ja nicht unpraktisch wäre, wenn der Körper Serviceklappen hätte. Dann könnte man defekte Teile einfach austauschen. Ohne große OP. Einfach ein Ersatzteil bei E-Bay ersteigern und vom Nachbarn der Ahnung hat einbauen lassen. Man selbst ist dazu vermutlich nicht in der Lage. Solange schaltet man das Hirn aus. Hat man sich nen Virus eingefangen oder einen Parasiten besorgt man sich ein Antivirus und gut is. Hmm. Aber der Körper wäre dann echt ungemütlich und Hart. Das wäre zumindest bei Frauen schon ein Manko. Frauen müssen sich „gut“ anfühlen. Denn…

In diesem Moment kommt jemand in den Warteraum und begrüßt mich überschwänglich. Was ich denn hier wohl machen würde. Dumme Frage. Krank sein, auf den Doc warten und aus dem Fenster gaffen um dummen Gedankengängen zu folgen. Es handelt sich um eine Mutter aus der Kita. Na super, denke ich mir. Jetzt weiß jeder Bescheid das ich krank bin. Ist ja nu kein Staatsgeheimnis. Aber dann wird man immer darauf angehauen. Ich grüße freundlich zurück, gebe eine knappe Auskunft, frage der Freundlichkeit halber nach, was sie denn nun hat und konzentriere mich wieder auf das Fenster.

Der Nieselregen ist stärker geworden. Diese Sauerländer. An sich sind sie ja ganz nett. Halt Menschen wie überall auf der Welt. Oder zumindest in Deutschland. Nerven tun sie trotzdem bei Zeiten. Neugierig ohne Ende. Gerne am Lästern und Tratschen. Die Offenheit des gebürtigen Sauerländers beschränkt sich, so ist mein Gefühl, lediglich darauf Informationen zu sammeln, welche man gegen einen verwenden kann. Offenheit freundlicher Natur ohne Hintergedanken ist schwerer zu bekommen. Gott sei dank hat sich in den letzten Monaten so einiges aufgeklärt. So das ich die Schuld daran, hier keinen Anschluss zu finden, nicht mehr bei mir suchen muss.

Ein Posten weniger um den Man sich sorgen muss. Ich hab mich mit einigen Leuten unterhalten die auch zugezogen sind. Teilwiese sind es Polen, teilweise Hamburger, auch aus dem Ruhrgebiet so einige. Und allen war gemein, dass man hier nur sehr schwer irgendwo reinkommt. Die verschiedenen Beispiele aufzuzählen spare ich mir, weil es nicht meine Erlebnisse sind. Aber so ist es doch schön, die Gewissheit zu haben, dass egal wie lange man hier ist, man immer ein Außenseiter bleiben wird. Ergo geht man wieder. Wollen wir mal abwarten wann das soweit…

Boing. Ein Patient springt plötzlich auf. Ein Rentner. Wie von der Tarantel gestochen. Er grüßt zum Abschied, schnappt sich im Rennen seinen Schirm und ist verschwunden ehe man „Rentenversicherung“ sagen kann. Für einen Moment glotze ich auf den leeren Stuhl. Dann auf meine Schuhe. Zum Schluss wieder auf das Fenster. Unten im Hof parkt seit Jahren immer an der gleichen Stelle ein New Beetle. Und jedes mal denke ich das gleiche. Wie bekommt man das Ding optisch so hin, dass es meine Augen nicht mehr beleidigt. Ich komme immer zu dem Schluss das ein schönes Feuer oder ein…

 „Herr W. Bitte kommen sie ins Zimmer Nr. 3.“

Oh, ich bin endlich dran. Na dann mal los…

Der Palast, der Palast…


Es war immer schon so: Der Palast ist und war ein „Schandfleck“ im schönen Meppen. Ach, das wunderschöne Meppen. Wenn ich mich an meine Jugend zurückerinnere muss ich eines feststellen:

Er war einer der wenigen schönen Orte. Gut. Inzwischen sehe ich das ganze anders. Gerade in letzter Zeit habe ich dort viele schlechte Erfahrungen gemacht. Aber das hängt auch damit zusammen, dass meine Rockpalastzeit schlichtweg abgelaufen ist und ein Generationenwechsel stattgefunden hat. Für mich ist Ende und Schluss mit Palast. Mich könnte es kalt lassen wenn der Laden dicht macht. Ich lebe ja nicht mal mehr in Meppen.

Und trotzdem lässt es mich nicht ganz kalt. Das hat viele Gründe. Einerseits sehe ich im Rockpalast einen wichtigen Abschnitt meines Lebens. Ein Abschnitt, welcher mich prägte. Mich aufbaute. Mir Lebenserfahrung gab. Und schließlich mir die Kraft verlieh, oder Ernüchterung, jenes kann ich in der Rückschau nicht genau sagen, ein neues Leben in einer anderen Stadt aufzubauen. Ohne den Zwang des Ortswechsels, der mit einem Studium oft zusammenhängt. Nein. Aus freien Stücken.

Und mir geht es da nicht anders wie 10000 anderen Gästen. Man hat dort gefeiert, gekotzt, geprügelt, gevögelt, gelebt, geliebt, gefressen und gesoffen. Dank des Rockpalasts kann ich soviel über Gott lästern wie ich will. In die Hölle komme ich, wegen meiner Zeit dort, ohnehin.

Zja. Außerdem sorgt dieser Laden für eine gewisse Prägung. Er bietet Raum für Außenseiter. Individualisten. Nicht das schiere anpassen zählt. Nicht die pure Oberflächlichkeit. Das Ich zählt – und gleichzeitig auch solidarität. So war das zu „meiner“ Zeit. Damals als ich zu mir fand. Da habe ich gemerkt, dass es egal ist wenn man es niemanden Recht machen kann. Man muss es sich selbst recht machen – aber darf dabei seine freunde nicht aus den Augen verlieren. Dort hielten es damals viele so. Was dazu führte, dass bis jetzt Freundschaften anhalten die ich nicht missen möchte. Mit Menschen mit denen man auf dem ersten Blick nicht viel gemein hat, weil man völlig andere Lebenswege begeht. Und einem trotzdem enorm viel verbindet.

Und was macht der Palast sonst noch so für Meppen? Zja. Ich sag mal so: Die Welt braucht Menschen mit Visionen. Die Welt braucht Menschen die sich trauen aus Konventionen auszubrechen. Etwas in Frage zu stellen. Aber diese Menschen brauchen auch einen Ort der ihnen die Option aufzeigt, dass das überhaupt möglich ist. In vielen von uns steckt ein Rebell. In vielen schlummert er unerkannt. Es gibt Leute, in denen der Drang zur Veränderung so tief verankert ist, dass sie keine Community brauchen um das festzustellen. Andere wiederum brauchen das um diesen Samen in sich zu entdecken, zu erwecken, zu kultivieren.. Und da ist (war?) der Palast mit seinen Individuen der richtige Anlaufpunkt.

Aber im Moment geht es ja auch nur um eine zeitlich begrenzte Schließung. Nicht um die endgültig. Und eines muss auch klar sein:

Eines Tages, so mag er fern sein oder schon an die Türe klopfen, wird dieser Teil meiner Jugend sterben. Solange ich lebe allerdings, werde ich, Alzheimer mal ausgenommen, die schöne und nicht so schöne Zeit dort nicht vergessen. Und das was der Laden und die Menschen die ihn bevölkern für mich getan haben.

Best of “MSO” Teil 4 – Heute: Spion Widerwillen


Man Muss ja nicht immer alles wegwerfen. Wie immer gibt es einen meiner Lieblingsartikel von meinem alten Blog.

26. April 08
Es gibt Dinge, die möchte man nicht wissen. Z.B. wie lange, wie laut und wie gut der Sex der Nachbarn ist. Zugegeben, die Dame sieht nicht übel aus. Sie hat den Sex aber nicht mit mir!
Man will ja kein Spießer sein und klopft darum nicht an die Wand. Das erwartet man ja auch wenn man sich selber – ääähhmm – sportlich betätigt. Was mich eher stört sind die Uhrzeiten ihrer Ausritte. Die Tante muss Arbeitslos oder Studentin sein. Wer sonst hätte die Zeit Wochentags um Drei- oder Vieruhr in der Nacht die Sau raus zu lassen. Bevorzugt wenn ich meinen Schlaf dringend brauche. Cirka 95% aller Schultage sind überflüssig, aber an den 5 von 100 an denen ich fitt sein muss pimpert die Alte die ganze Nacht durch.
Wenn meine Nachbarn laut Party machen frage ich in der Regel ob ich mitmachen darf. Aber die sind auch am Wochenende. Und es sind Partys. Es sieht dagegen ganz anders aus wenn jemand bei den Nachbarn, sagen wir mal Dienstagnacht um 4 Uhr, klingelt und fragt, ob er beim Schäferstündchen mitmachen darf. Darum hab ich folgendes an ihre Tür gehängt: