Ein gelungener Abend

Gelbe Buchstaben spiegeln sich auf dem nassen Asphalt des zugigen Parkplatzes. Ich ziehe mir meine Kapuze über und trotte Richtung Eingang. Man muss sich Zeit lassen. Die Zigarette will nicht so hastig geraucht werden. Mir steht mindestens eine Stunde ohne Nikotin bevor.

Langsam hebe ich meinen Blick und schaue an dem riesigen Komplex hoch. Erst Glas, dann die Leuchtreklame, dann blau lackierte Aluminiumverschalung. Ich mache mir Mut: „Jetzt bin ich hier schon hingefahren. Dann muss ich auch reingehen.“ Ich lasse den Rest meine Zichte fallen, welche zischend in einer Pfütze landet und begebe mich ins Paradies für Familienmütter und frisch gebackene Studenten. Man, fand ich den Laden mal geil.

Mir ging es mal so: Die erste eigene Wohnung. Die ersten eigenen Möbel. Als ich meine zweite Wohnung bezog hab ich sogar aufgegeben auf einer Matratze auf der Erde zu schlafen. Man Arbeitete inzwischen. Und da konnte man ich dekadente Dinge wie ein 220×90 cm großes Bett plötzlich leisten. Also tat man das auch. Ich erinnere mich genau wie ich auf den Betten in der Ausstellung herumgehüpft bin und  den Rüttel- und Schütteltest gemacht habe. Das letzte was ich wollte, war ein quietschendes Bett oder eines was schnell auseinander bricht. Oder eines, welches dauernd an die Wand schlägt. Und fündig wurde ich sogar bei einem Bett, welches zu meiner restlichen Einrichtung passte. Das war damals. Nun ist Heute.

Ich bin hier weil es mich nervt, dass die gelesenen Bücher inzwischen Türme bilden. Ich brauche neue Ablagemöglichkeiten. Und dafür ist der Laden ja bekannt. Außerdem wollte ich mir noch ein oder zwei Teppiche holen, weil meine Wohnung komplett gefliest ist.

Schlendernd und probesitzend bewege ich mich durch die Ausstellung. Ist ja alles so schön bunt hier. Das gefällt mir. Letztes oder vorletztes Jahr war auf einmal alles blau und gediegen. Das fand ich zum kotzen. Ich liebe schreiende Farben.

Inzwischen bin ich im Untergeschoss angekommen. Ich habe mir den Einkaufswagen mit zwei Langflooreppichen gefüllt. Außerdem noch schönes grünes Bettzeug und die Taschen voller Zettel. Auf den Zetteln die Abholkoordinaten für verschiedene Regale. Unter anderem ein sehr schönes Wandregal. Ganz schlicht und weiß mit Acrylglasschiebetüren und einem feuerroten Innenraum. Sehr cool und passt wie immer zum Rest. Das sollte wie aus einem Guss in meiner Bude wirken.

Langsam schiebe ich den Einkaufswagen. Mein Blick wandert auf die Auswahl im geräderten Drahtkorb. Dann bleibe ich stehen. Brauche ich den Scheiß wirklich? Nach drei Monaten bilden meine Bücher ohnehin neue Türme. Und die Teppiche? Und das Bettzeug? Letzteres war doch eh nicht eingeplant?!?! Ich setze mich auf eine Bank. Starre auf den Wagen. In mir beginnt ein Feuer zu brennen. Erst eine Flamme. Dann ein richtiges Inferno. Was zur Hölle mache ich hier? Was ich brauche besitze ich. Und was ich nicht habe -  aber brauche -  kann ich mir nicht kaufen. Gib dein Geld lieber für was sinnvolles aus. Zigaretten zum Beispiel. Oder Kuchen.

Ich stehe auf. Der Wagen bleibt stehen. Ich bewege mich auf die Kassen zu. Kurz darauf liegen sie hinter mir. Das Kühlregal. Ich greife hinein und ziehe zwei Mandeltorten heraus. Die brauchst du. Das ist Verbrauchsmaterial.  Bezahlt. Ab nach hause. Und vor der Tür liegt einer der letzten Wünsche die ich noch hatte und man mit Geld kaufen kann. Ein Päckchen gefüllt mit einer Spiegelreflexkamera. Geil. Ich gehe in die Wohnung, räume ein wenig auf und finde im Zipfel einer Gummibärchenpackung einen einsamen grünen Bären. Ausgerechnet ein grüner. Die mit Apfelgeschmack sind die besten. Freudig erregt knabbere ich das Gummitier und packe die Kamera aus. Und jetzt freue ich mich auf meinen Kuchen. Ein gelungener Abend.

Ein Kreuz…

*Achtung Satire*

… mit den Kreuzfahrern. Ihr habt es ja sicherlich alle gehört. Der Untergang der „Costa Concordia“. Ich warte jetzt schon auf den großen RTL Zweiteiler der innerhalb der nächsten drei bis 24 Monate ausgestrahlt werden dürfte. Ist ja in den letzten Jahren Trend gewesen, derlei Ereignisse zu „TV-Events“ auszuschlachten. Ich meine, diese „Katastrophe“ bietet alles was das Herz begerht. Die Traumschiffromantik, Mittelmeerflair, inkompetente Menschen am Ruder und Tote.

Das dabei Menschen zu Tode kamen ist natürlich eine Tragödie. Aber es starben ja nicht nur Menschen. Nein, viel schlimmer. Denn: Son dreckiger Franzose interessiert hier doch keine Sau. Und so mancher Gast, der mit dem Service bei der Evakuierung unzufrieden war ist sicherlich froh, dass der eine oder andere Asiate aus der Crew an Board blieb (anders als der Kapitän, der zusammen mit den Ratten das Schiff als erster verlassen hat). Es kamen aber eben nicht nur Menschen um. Nein! Sogar deutsche Mitbürger sollen unter den Opfern sein. So eine Frechheit. Und gleichzeitig für die Bild und alle anderen Medien soooooo schön.

Da wird es ihnen gleich warm um die Brieftasche. Das ganze wäre keinen Fliegenschiss wert gewesen, wenn da jetzt Amis draufgegangen wären. Aber DEUTSCHE? WAU! Jetzt mal echt. Wenn das keine Schlagzeile (in tausendfacher Ausführung) wert ist.

Herzlichen Glückwunsch an Springer, RTL und den ganzen Rest.

Aber das ist ja alles so garnicht amüsant. Darum nun: Musik.

Best of “MSO” Teil 5 – Heute: Mittagspausen

Man Muss ja nicht immer alles wegwerfen. Wie immer gibt es einen meiner Lieblingsartikel von meinem alten Blog.
21. August 08, Essen City
Das MySpaceOpfer nascht gerne. Und so geht es eines Tages während der Mittagspause die Straße hinunter und knabbert an einem Donut mit Schokoglasur herum. Dieser schmeckt dem M.S.O. vorzüglich und so vertilgt es den Donut mit Haut und Haaren. Natürlich hat es sich danach wie immer unter Generalverdacht, sich selber beschmiert zu haben. Und da es jeder eventuellen Peinlichkeit in Verbindung mit Schokoflecken im Gesicht umgehen will, spricht es einen freundlich blickenden Herrn an der Haltestelle an, seiner Hautfarbe nach vermutlich aus Afrika stammend. „Entschuldigen sie.“ sagt das MySpaceOpfer. „Habe ich so braune Flecken im Gesicht? Hab gerade Schokolade gegessen!“ Es grinst sein Gegenüber dümmlich an. Doch der Mann, gerade noch fröhlich, erstarrt zunächst. Dann fallen seine Mundwinkel ins Bodenlose und der Blick verfinstert sich zu einer Gewitterfront. „Sag mal, willst du mich verarschen, du Fascho? Ich hoffe für dich, dass du das gerade nicht so gemeint hast wie es sich angehört hat!“ Dem MySpaceOpfer wird sein Fehler bewusst. Es läuft rot an, beginnt eine Entschuldigung dahinzuplappern, macht dadurch aber nur alles noch Schlimmer. Es hat das Gefühl im Boden versinken zu müssen und Verschwindet dorthin wo es herkam. Die Mittagspause ist vorbei.
Aus der Sicht des 2012er MSO: Manchmal hat es durchaus Nachteile, dass einem das Äußere eines Menschen egal ist und man sich nicht immer was dabei denkt…